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Spendenaktion "be the change that you want to see in the world"- Zusammenfassung
Innerhalb von 10 Monaten wurden knapp 10.000 Euro im Rahmen der Spendenaktion gespendet. In dieser Zusammenfassung wird mit Bildern gezeigt was alles ermoeglicht wurde...
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Di

21

Jul

2009

Das letzte Mal Ferien...

Ein komisches Gefuehl. Vor ein bisschen mehr als einem Jahr hatte ich zum letzten Mal Schulferien. Danach die Abiturpruefungen, die Zeugnisvergabe, die ganzen Feiern und schliesslich auf nach Suedafrika...
Am Sonntag sind meine letzten Ferien mit den Kindern hier in Baphumelele vorbeigegangen. 3 Wochen Winterferien, in denen wir erstaunlicherweise recht viel Glueck hatten mit dem Wetter. Wir sind unheimlich viel Fahrrad gefahren, haben Abends mit Chips und Popcorn alle zusammen Filme angeschaut und alle Kinder ueber 4 Jahren waren auf einem Ausflug. Dank der vielen Spenden fuer „Kids of Bap", nicht zu letzt durch die Spendenaktion der Gerlinger Jugendorganisationen, konnten wir ein tolles Programm auf die Beine stellen.
Die 4 bis 6 jaehrigen waren auf einem Abenteuerspielplatz mit einem Baellepool und einer Burg mit Rutsche, sind 3 Stunden lang einfach nur durch die Gegend gerannt und haben ihre Freiheit genossen. Die Altersgruppe 6-9 Jahre war in einem Erlebnismuseum fuer Kinder, in dem es um Wissenschaft und Technik geht.
Und die aelteren Kids waren im 3D Kino und haben Ice Age 3 angeschaut und „Nacht im Museum 2" im normalen Kino. Solche Ausfluege sind fuer die Kinder etwas total besonderes. Es gibt ihnen ein Stueck Freiheit und sie sehen was anderes. Die Ausfluege haben allen Kindern unheimlich gut getan und viel Spass gebracht und ich bin wirklich sehr dankbar dafuer, dass so viel von euch gespendet wurde und uns somit ermoeglicht wurde so viele schoene Ausfluege zu machen.
Ein weiteres Highlight waren auch regelmaessige Filmabende. Die Kinder sassen dann alle zusammen auf dem Boden und wir haben zum Beispiel „High School Musical 1&2" angeschaut, was die Kinder ueber alles geliebt haben und danach singend zu ihren Betten gelaufen sind.
Am letzten Ferientag haben wir dann von einer Pizza Fast-Food Kette 60 Pizzen gesponsert bekommen und alle Kinder haben sich den Magen mit Pizza vollgeschlagen...was fuer schoene Ferien!

 

Die Tage sind inzwischen gezaehlt, bevor ich in 4 Wochen wieder nach Hause komme...

 

x.o.x.o

Anil

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Fr

03

Jul

2009

Von Armut und Schuld

Wie definiert man Armut? Der Theoretiker versucht das Phaenomaen Armut in Zahlen zu definieren und es somit von einer abstrakten Ebene auf etwas greifbares wie beispielsweise das Einkommen pro Tag, in Relation zum Durchschnittserwerb aller Einwohner eines Landes, zu uebertragen.
Das ist ziemlich praktisch - damit laesst sich gut arbeiten, man kann die Zahlen mit seinem eigenen Einkommen vergleichen und sich dadurch etwas vorstellen unter dem Begriff Armut. Ich moechte mich auch damit keineswegs als Gegner dieser Theoretiker „outen", denn ich denke selbst so, wenn ich versuche mir etwas zu erklaeren.


Aber Armut hat noch eine ganz andere Seite: Das bedrueckende Gefuehl, wenn man sieht das jemand unter unmenschlichen Bedingungen ein Leben fuehrt, jemand, den man kennt, keine Bilder oder Videos im Fernsehen oder Internet, sondern das echte Leben. Das Gefuehl der Ohnmacht, wenn man versucht zu realisieren, was es heisst zu fuenft auf 10 Quadratmetern zu leben, ohne Strom, ohne Wasser in einer Behausung die Kalt und Nass ist. Wenn man weiss, dass man todkrank ist und in den naechsten Jahren sterben wird, seinen Kinder nichts materielles hinterlassen kann, keinen Schutz oder irgendeine Garantie auf eine Zukunft. Wenn man langsam an dem innerlichen Schmerz verzweifelt hilflos zu sein, und man selbst keine Kraft mehr hat dagegen anzukaempfen, man will, aber es geht koerperlich nicht- der Virus den man in sich traegt laesst es nicht zu. Man vegetiert nur noch vor sich hin und zerbricht innerlich Stueck fuer Stueck, auch wenn man es nach aussen hin nicht zugeben moechte.


Nein, das ist nicht uebertrieben, leider nicht, man kann es sich nur schwer vorstellen, wenn man es noch nicht gefuehlt hat.

Vor einigen Wochen bin ich mit Dideka, einer 45 jaehrigen Patientin aus dem Baphumelele Respite Care Centre nach Hause gegangen, da sie langsam bereit ist nach Hause zu gehen. Sie ist HIV positiv und hat Tuberculose. Sie ist inzwischen schon seit Januar hier in Baphumelele, konnte anfangs aufgrund der Wunden an ihren Fersen nicht laufen, und wankt auch jetzt noch durch die Gegend. Sie hat Augenprobleme und sieht nicht richtig, ausserdem kommt es manchmal vor, dass sie fuer kurze Zeit alles vergisst und nicht weiss wo sie ist und was passiert.


Geanu an diesem Tag hatte ich das Gefuehl der Ohnmacht :
Ihr Zuhause ist eine Holzhuette, die mehr einer vergroesserten Hundehuette aehnelt. Zentimetergrosse Spalte befinden sich zwischen den Latten die eine Wand bilden, es gibt keinen Boden sondern nur dreckigen Sand und von der decke tropft Wasser auf das Doppelbett, welches sie sich mit Sohn und Mann teilt. Der neunjaehrige Junge liegt zusammengekauert im Bett. Niemand sonst ist in der Huette. Er ist krank . Der Vater kommt. Er hat nur noch wenige Zaehne und sieht total heruntergekommenen aus. Dideka faengt an zu weinen. Ich hatte sie bisher nur emotionslos erlebt, doch nun sass sie da und Traenen laufen ihre Wangen hinunter. Ich habe gespuert, dass es sie innerlich umbringt, dass sie jetzt nicht fuer ihren kleinen Jungen da sein kann, dass sie ihn vermisst nachdem sie ueber 5 Monate weg war. Auch der Junge faengt an zu weinen, er fuehlt sich alleine, ihm geht es beschissen, er hat Schmerzen und niemand ist fuer ihn da. Der Mann stammelt ein paar Worte auf Xhosa, fragt wann sie wieder heim kommt und ich glaube es ging darum, dass sie kein Geld haben. Sie verabschieden sich und wir fahren wieder nach Baphumelele.

Es hat mir das Herz gebrochen das mit anzusehen. Ich hab mich so hilflos und dadurch auch schuldig gefuehlt. Wie kann es sein, dass Menschen so herablassend wohnen muessen und ihnen niemand hilft? Und ich steh einfach so daneben. Ich, der abends vor dem Computer sitzt und im Internet seine Emails abruft, ich, der am Wochenende nach Kapstadt geht um sich zu erholen und wenn ich Lust habe, dann setze ich mich abends in mein Bett und schau mir auf meinem portablen DVD-Player einen Film an. Schuld! -es ueberkommt einen das Gefuehl der Schuld, auch wenn ich nichts dafuer kann, dass ich nun mal in einem wohlhabenden Land geboren wurde.
Ich glaube das war der Punkt an dem ich angefangen habe zu realisieren, nach all den Monaten die ich im Township gelebt habe, was es bedeutet wirklich Arm zu sein. Oft habe ich versucht die schlimmen Umstaende der Leute in Worte zu fassen und war geschockt von den Wohnbedingungen vieler, doch dieses Gefuehl, dass ich an jenem Tag hatte, uebertrifft alles, oder sagen wir, fasst alles,das Elend und die Armut der Menschen hier, zusammen.


Diese Woche haben wir Didekas Huette abgerissen und ihr ein neues Haus gebaut. Sie lebt seit gestern wieder Zuhause und ich hoffe sehr, dass sie okay sein wird. Mehr Infos zu dem Bau unter „Bilder"/"Projekt Dideka".

x.o.x.o

Anil

 

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Di

23

Jun

2009

Youth Day

Am 16. Juni 1976 demonstrierten Tausende Schueler in Soweto, Suedafrikas groesster Townshipgegend mit heute geschaezten 3 Millionen Einwohnern, gegen das von der Apartheidsregierung verabschiedete Gesetz zur Schulpolitik von „schwarzen Schulen". Es besagte, dass ausschliesslich Afrikaans(die Sprache der Kolonialherrscher aus Holland) und Englisch unterrichten werden duerfe, aber keine afrikanische Sprache. Die Demonstration wurde von Polizisten blutig niedergeschlagen und viele Kinder starben oder wurden verletzt- so sah das Leben in der Apartheid fuer Schwarze aus.
Heute, knappe 15 Jahre nach dem Ende der Apartheidspolitik, wird der 16.Juni als Tag der Jugend gefeiert und ist ein offizieller Feiertag- keine Schule fuer die Kinder und keine Bueroarbeit fuer unsere Manager.
Auch bei uns in Baphumelele gab es ein besonderes Programm an genau diesem Tag, der den Kindern und Jugendlichen galt.
Die Wochen davor hatten die Kids schon fleissig Taenze auf eigene Regie eintrainiert und die wichtigste Regel fuer den Tag: Alle Erwachsenen mussten Schuluniformen tragen. Da wir Freiwilligen solche Regeln natuerlich immer als letzte mitgeteilt bekommen, standen wir nichtsahnend am Dienstag morgen auf und mussten uns unter Zeitdruck noch irgendwie eine Schuluniform von den aeltern Kindern ausleihen. Das war vielleicht ein Kampf.
Schliesslich hatte ich ein viel zu kleines, gelbes hemd, einen ebenfalls zu kleinen dunkelroten pullunder mit hochgekraempelten Aermeln und eine absolut nicht passende graue Hose an, bei welcher ich den Hosenladen, aufgrund von Gewichts- und/oder Groesseproblemen, nicht zubekommen habe. Meine Krawatte und die Schuhe waren das einzigste was einigermassen passte, aber ich war gluecklich und die Kinder hatten einiges zu lachen, vor allem ueber den offenen Hosenladen.
Gegen Mittag war dann ein Programm mit Tanzvorfuehrungen, kleineren Reden, Theaterstuecken und wie immer unheimlich viel Gesang angesagt. Ich weiss nicht ob ich es schon einmal erzaehlt habe, aber Feste hier in Suedafrika, seien sie noch so offiziell oder ernst, sind immer ein heiden Spass.
Sobald es einmal still wird steht eine der afrikanischen Mamas mit ihren dezenten 120 Kilo auf und faengt an zu singen- kein feiner, leiser, schuechterner Gesang den ich aus dem Musikunterricht in der Schule gewoehnt bin, sondern ein kraeftiger Gesang mit fast schon ohrenbetaeubender Lautstaerke, der den gesamte Raum fuellt. Es ueberkommt einen die Gaensehaut und bevor man sich fragt wie diese afrikanischen Mamas nur so laut und trotzdem so schoen singen koennen, setzt der gesamte Raum mit ein und man fuehlt sich wie bei einem Live- Konzert- klasse, einfach nur klasse. Alles spontan, keine Notenbuecher und keine Spur von Angst, dass man falsch singen koennte, keine Anspannung sondern eine gelassene Atmosphaere, keine Langeweile sondern Action.
Und dann kommen auch noch die Kids mit ihren Taenzen- wow! Es wird getrommelt wie wild, wieder mit einer unheimlichen Lautstaerke und die Kinder tanzen mit so viel Taktgefuehl und Energie, dass man richtig Lust bekommt mit zu tanzen.
Es wurden kurze, knackige Reden gehalten, dass Bildung wichtig ist fuer die Kinder, dass sie ihre Rechte kennen muessen und mit Verantwortung durch ihr Leben gehen sollen.
Und auch wir Freiwillige haben uns eine Kleinigkeit ueberlegt, da wir zuvor gefragt wurden ob wir uns nicht auch am Programm beteiligen wollten. Wir hatten ein kleines Theaterstueck, mehr ein Sketch eigentlich, vorbereitet und obwohl wir uns unsicher waren ob er gut ankommen wuerde haben alle viel gelacht.
Ich glaube das, was die Feste hier so schoen macht, ist die ganze Liebe und Energie die alle reinstecken. Ich meine damit nicht, dass sich in Deutschland niemand von den Organisatoren Muehe gibt oder Liebe in Veranstaltungen steckt, aber hier geht man nicht einfach nur auf ein Fest und setzt sich hin und hoert und sieht zu. Man ist aktiv daran beteiligt, man bewegt sich wenn sich ganz spontan alle von den Stuehlen erheben und Anfangen zu tanzen, man fuehlt hier einfach mit, etwa so wie bei einem WM-Finale in dem Deutschland mitspielt, es ist was besonderes.
Und das schoene daran ist, dass hier ca. alle 2 Monate WM-Finale ist :).

 

x.o.x.o

Anil

 

P.S.: Ein riesen grosses Dankeschoen an alle Organisatoren des JGR, SJR, Konfus und Jugendhaustraegervereins fuer die Organisation und Durchfuehrung einer Spendenaktion und eines Grillfestes in Gerlingen. Nemanden zu vergessen auch ein Dankeschoen an all denjenigen die die Aktion besucht und dadurch mitgewirkt haben!

Ich war ziemlich baff als ich von der Aktion gehoert habe- davon, dass alle Jugendorganisationen mithelfen- und es zeigt mal wieder das kontinuierliche Engagement der Jugendorganisationen in Gerlingen! Ihr seid die Besten, macht weiter so! Vielen, vielen Dank!

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Do

04

Jun

2009

An Tagen wie diesen...

...an denen man morgens unter der Decke im Bett liegt und nicht aufstehen moechte, weil man genau weiss, dass einen draussen nur Regen, Wind und Kaelte erwarten, genau an jenen Tagen fuehlt man sich nach einem stressigen Arbeitstag ueberhaupt nicht danach einen Blogartikel fuer seine Homepage zu verfassen. So ging es mir zumindest in den vergangenen Tagen.
Nachdem ich gut zwei Wochen in Mosambik am Strand in der Sonne unter Palmen lag und ab und zu in das angenehm warme, tuerkisblaue Meer getaucht bin, war das depressive Regenwetter in Kapstadt nicht der Empfang den man sich nach einem erholsamen Urlaub wuenscht. Zudem kommt, dass mich sofort nach meiner Ankunft in Kapstadt einige sehr unerfreuliche Nachrichten erwartet haben. Eines unserer Autos wurde verkauft, ein anderes ist kaputt und somit bleibt uns fuer die gesamte Arbeit nur ein Auto, unerfreulich, aber verkraftbar. Ausserdem sind drei unserer Teenager, welche schon seit Jahren hier in Baphumelele sind, voellig spontan wieder zurueck zu ihren Familien gegangen. Doch die schockierenste aller Nachrichten war, dass eine Mitarbeiterin aus dem Bonitahaus(in dem die aidskranken Patienten betreut werden), welche selbst HIV+ war, voellig unerwartet an einer Lungenentzuendung gestorben ist. Sie hinterlaesst 2 kleine Kinder, welche nun bei der Tante aufwachsen. Als ich das hoerte musste ich erstmal Schlucken und dann versuchen zu realisieren was mir eigentlich gerade gesagt wurde. Die Mitarbeiterin war eine recht lebensfroehlicher Charakter und ich wusste bis zu diesem Tag nicht einmal, dass sie HIV+ war. Wie ich es bereits in einem meiner vorigen Artikel erwaehnt hatte: Das Leben in Khayelitsha ist unberechenbar.
Es war ein harter Start in eine neue Arbeitswoche, doch alles muss irgendwie weiterlaufen...


In meinem letzten Blogartikel hatte ich das Badezimmerprojekt erwaehnt, welches diese Woche Montag gestartet ist. Inzwischen ist die alte Dusche, die Badewanne, sowie eine Wand und eine Toilette abgerissen und die Rohre fuer die neuen Duschen und Toiletten sind verlegt. Bis Anfang naechster Woche sollen die 4 neuen Duschen, 4 Lueftungen und 2 Abzuege eingebaut sein, sowie der Duschbereich neu gefliest und die Waende neu gestrichen. Bilder von den Renovierungsarbeiten und dem neuen Badezimmer werden dann hoffentlich bis Ende naechster Woche online zu sehen sein.
An die Spender geht jetzt schon ein riesen grosses Dankeschoen. Nach meinem letzten Spendenaufruf hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil mir aufgefallen ist, dass sich immer wieder die gleichen Leute angesprochen fuehlen und das irgendwie nicht ganz fair ist. Ich bin wirklich sehr dankbar fuer all die Unterstuetzung, ohne die Projekte wie dieses ueberhaupt nicht meoglich waeren.
Hierzu gibt es auch noch eine weitere Neuigkeit die vielleicht fuer den ein oder anderen interessant zu wissen ist, da ich bereits Anfragen zu diesem Thema bekommen haben. Bisher war es nicht moeglich Spendenquittungen zu erhalten, doch nach Gespraechen mit meiner Traegerorganisation in Deutschland, den „Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiner e.V", gibt es nun die Moeglichkeit auf eines ihrer Konton Geld zu ueberweisen. Danach erhaelt der Spender, sofern er eine Addresse angibt(nicht vergessen!), eine Spendenquittung zugeschickt und das Geld wird direkt auf das Konto des Baphumelele Children's Home ueberwiesen. Es tut mir leid, dass dies nicht frueher moeglich war, da im Nachhinein leider keine Spendenquittungen fuer bereits auf mein Konto eingegangene Spenden ausgestellt werden koennen.
Bei einer Ueberweisung ist es unbedingt wichtig als Verwendungszweck „Baphumelele (Children's Home) Bathroom" anzugeben.

 

GLS Gemeinschaftsbank eG Bochum
Konto: 13 042 010
BLZ 430 609 67
Verwendungszweck: „Baphumelele (Children's Home) Bathroom"

 

Weitere Informationen zu meiner Traegerorganisation und ihren Projekten koennt ihr auch unter www.freunde-waldorf.de finden.

 

Bis bald wieder und macht's gut

 

x.o.x.o

Anil

 

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Do

14

Mai

2009

Ein neues Badezimmer

Das Babyhaus des Baphumelele Children's Home in Khayelitsha beherbergt derzeit ca. 50 Kleinkinder im Alter von 5 Wochen bis zu 3 Jahren. Das Haus ist in 4 Schlafraeume, je nach Altersstufen, aufgeteilt, hat einen grossen Aufenthaltsraum an den die Kueche anschliesst und ein Badezimmer.
Das ca. 10 quadratmeter grosse Badezimmer besteht aus einer Duschecke, einem Bad, einer Toilette, zwei Waschbecken und Schraenken fuer die Kleidung der Babys- alles in Erwachsenengroessen, was nicht sehr praktisch ist fuer die kleinen Babys und das Waschen von so vielen Kindern Tag fuer Tag erschwert. Die Decke faengt an zu schimmeln, da es keinen Abzug und nur ein Fenster gibt, der Geruch, nach dem Windelwechseln von 30 Kindern, bleibt im Raum stehen und zur so genannten „washingtime" finden sich 20 Kinder in einer Badewanne und 10 in der Duschecke uebereinander in einem absoluten Chaos, indem die Betreuerinnen mit lauter Stimme versuchen Ordnung zu schaffen. Die Windeln der Kinder werden auf dem Badezimmerboden gewechselt und der allgemeine hygienische Zustand fuehrt zu immer wiederkehrenden Krankheiten wie Durchfall.
Eine Rundumrenovierung soll nun das Badezimmer mit 4 Kinderduschen, 3 Kindertoiletten, einem Wickeltisch mit Waschbecken, einem Abzug und einer schmalen Fensterreihe ueber den Duschen austatten, um somit sowohl den hygienischen Anforderungen eines Badezimmers fuer so viele Kinder gerecht zu werden, als auch den Betreuern die Arbeit zu erleichtern.
Da wir diese Renovierung so gruendlich wie moeglich machen wollen und ein Badezimmer schaffen moechten, welches nicht so schnell wieder erneuert werden muss, benoetigen wir die Hilfe professioneller Rohre- und Fliessenverleger. Die Vorbereitungen sind bereits getroffen, ein erster Kostenvoranschlag liegt vor und unser geplanter Renovierungsbeginn ist der 1.Juni.
Alles in allem wird das Projekt knapp 3000.00 Euro kosten, wovon bereits 800.00 Euro durch die Spendenaktion „be the change that you want to see in the world" zusammengekommen sind.
Wir wissen, dass die Summe nach unheimlich viel Geld klingt, doch wir sind der festen Ueberzeugung, dass wir mit dieser Erneuerung des Babyhausbadezimmers einen noetigen, permanenten Wandel in den hygienischen Bedingungen unserer Kleinkinder bringen werden.
Wir erwarten keine Wunder oder hohe Spenden, aber wir bitten um eine kleine Unterstuetzung, wenn ihr verstehen koennt, was wir mit diesem Projekt erreichen moechten.
Wie oft hoert man, dass man die Welt nicht alleine veraendern kann, aber wenn nur jeder, der sich durch diese Aktion angesprochen fuehlt, einen kleinen Betrag beisteuern koennte, veraendert sich die Welt fuer unsere Babys...

 

Bitte bei einer Ueberweisung auf mein Konto umbedingt den Verwendungszweck „Badezimmer" angeben.

 

P.S.: Es wuerde uns ebenfalls unterstuetzen, wenn ihr diesen Aufruf an Freunde und Bekannte weitersenden koenntet.

 

Hier noch ein paar Bilder des derzeitigen Badezimmers:

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Di

05

Mai

2009

Die Schattenseite

9 Monate- nicht nur eine bedeutende Zeit fuer alle schwangeren Frauen, sondern auch fuer mich. Inzwischen ist Kahyelitsha ein Zuhause fuer mich geworden. Das Gefuehl der Heimat, wenn man nach einem Wochenende aus Kapstadt zurueckkehrt und die Abfahrt 25 auf der Autobahn nimmt um nach Khayelitsha zu gelangen, der verrueckte Strassenverkehr, dicke Mamas die an Strassenecken Fleisch grillen, die kleinen Einkaufslaeden mit gepsonserten Schildern von Coca -Cola, Kinder die auf der Strasse spielen und all die anderen Kleinigkeiten...
Vor ziemlich genau einem Jahr, als ich mein Abitur geschrieben habe, bekam ich den Bescheid , dass ich nach Suedafrika kommen kann um hier als Freiwilliger zu arbeiten. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein wirkliches Bild von Suedafrika, von den Lebensweisen, den Menschen, der Geschichte, also Begann ich ein wenig zu lesen und mich zu informieren. Ich fand heraus, dass Suedafrika ein Land mit einer unheimlich hohen Kriminalitaetsrate ist, habe dies aber eigentlich nur als Fakt hingenommen und nicht weiter darueber nachgedacht, nach dem Motto "Kriminalitaet ist doch spannend, man sieht Dinge die man sonst nicht sieht und hat im Nachhinein Geschichten zu erzaehlen"
Als ich schliesslich in Suedafrika war, wurden wir vor den ganzen Gefahren gewarnt, die es hier so gibt und in absolute jedem Gespraech mit Menschen aus Kapstadt und Umgebung wurde und werde immernoch nur schief angeschaut, wenn ich erzaehle, dass ich in Khayelitsha wohne. "Bist du todessuechtig, dass du dort wohnst?" und aehnliche Kommentare muss man ueber sich ergehen lassen, von Menschen die selbst noch nie einen Fuss in ein Township gesetzt haben, von Menschen die noch nie die Liebe, Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen hier zu spueren bekommen haben, von Menschen die mit Scheuklappen durch ihr Leben gehen und nicht aktzeptieren wollen, dass es von einer ach so schoenen Stadt wie Kapstadt eine ist, nunmal eben auch eine Schattenseite gibt- die Armut von Millionen von Menschen, mit all ihren Folgen.
Ich kenne mich in Khayelitsha und auch in der Kapstadtumgebung weit besser aus, als in der Stuttgarter Umgebung, treffe oft Leute die ich kenne durch Zufall auf der Strasse, in Supermaerkten oder sonstwo(Khayelitsha ist eine Millionenstadt und kein Dorf)...all das gibt einem Sicherheit. Man denkt man kennt sich aus und weiss wie die Dinge laufen, doch das Leben hier ist unberechenbar.
Gestern haben wir im Baphumelele Respite Centre Besuch von 2 irischen Krankenschwestern bekommen, welche Teil der Organisation sind , die das Respite Centre gegruendet haben. Ich musste sowieso zu einer Patientin, die in einer Shackgegend(nur Wellblechheutten und keine Strassen) wohnt, um etwas fuer das "after care programme" zu erledigen, also wurde ich gefragt ob ich die Besucher nicht mitnehmen koennte, um ihnen das after care programme vorzustellen.
Gegen mittag sitzen wir dann zu dritt im Auto und fahren nur knappe 5 Minuten, da der Zielort praktisch um die Ecke liegt. Wir parken am Strassenrand einer Sackgasse, welche in die Shackgegend uebergeht , und laufen kaum 20 Meter, als ich mich umdrehe und sehe, dass jemand von hinten versucht an die Taschen von einer der Krankenschwestern zu greifen. Ich wundere mich erst, weil ich nicht sofort verstanden hatte was der Mann wollte, doch Millisekunden spaeter sehe ich eine Pistole in seiner rechten Hand. Er fordet uns auf, ihm all unsere Wertsachen zu geben und ein weiterer Mann greift uns in alle Hosentaschen und nimmt sich die Kamera von einer der Krankenschwestern, sowie meinen Geldbeutel, will aber die Autoschluessel nicht haben, dann hauen die beiden ab.
Wir drei stehen einfach nur da. Man ist geschockt, kann sich in dem Moment, zudem sich alles zutraegt nicht bewegen, kann nicht sprechen, man kann nicht einmal richtig denken. Das einzige was man tun kann ist einfach nur dazustehen...
Wir fahren wieder zurueck nach Baphumelele, immernoch versuchend zu realisieren was gerade passiert ist und vor allem wie schnell, innerhalb von Sekunden sich das Ganze zugetragen hat.
Niemandem ist etwas zugestossen. Die Intension dieser Menschen war es ja auch nicht uns zu verletzen, sondern in der Verzweiflung ihrer Armut einen Ausweg durch Kriminalitaet zu suchen und Geld zu bekommen, womit ich ihr Handeln keineswegs rechtfertigen moechte.
Ich habe schon viel gesehen, seit ich hier in Khayelitsha bin, von brennden Wellblechheutten, ueber Demonstrationen bei denen mit Steinen geworfen wurde bis zu Leichen, die Nachts auf der Strasse lagen, doch wenn man direkt selbst betroffen ist, hat das Wort Kriminalitaet noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Keine Fakten, Statistiken oder Zahlen, sondern ein Gefuehl des Stillstands in einem selbst.
Die Menschen, von denen ich vorhin gesprochen hatte, diejenigen die es unverstaendlich finden, dass ich in Khayelitsha lebe, wuerden sich durch diesen Vorfall bestaetigt fuehlen, und mir sagen "Siehst du, ich habs dir doch gleich gesagt", doch ich denke, das ist nun mal die Schattenseiten von einer Gegend wie Khayelitsha.

Es ist wichtig zu wissen, dass es eben nicht nur Gut oder Boese gibt, sondern, dass alles im Leben zwei Seiten hat, in manchen Faellen extremer als in anderen. Die Frage ist nur wie man damit umgeht...

x.o.x.o.

Anil

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Fr

17

Apr

2009

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk

Wie wird eigentlich Ostern in Suedafrika verbracht? Das gesamte Osterwochenende hatten uns die Kinder gefragt wann wir denn Ostereier verstecken, doch unsere Antwort war immer nur: "Wir verstecken keine Ostereier". In der Woche vor Ostern waren Schulferien und so haben die Kids neben ihrem Lieblingsferienprogramm, dem Fahrradfahren, ca. 200 Eier in bunten Farben mit den merkwuerdigsten Mustern angemalt. Auch wenn das ein oder andere Ei das Anmalen ueberhaupt nicht ueberlebt hat und vorzeitig im Magen eines hungrigen Kindes gelandet ist, und das Aufrauemen und vor allem Putzen der Tische auf denen gemalt wurde, nicht so erfreuend waren, war das Ostereieranmalen sehr motivierend im Hinblick auf die Feiertage. Als am Sonntag abend aber immernoch keine Eier versteckt waren, sank die Aufregung auf Ostern bei den meisten Kindern rapide. Montag morgen klingelte dann der Wecker kurz vor 5 fuer uns Freiwillige, damit wir noch rechtzeitig, bevor die ersten Kinder und Betreuer um 6 Uhr aufstehen, Ostereier verstecken konnten. Und nicht nur die 200 selbstangemalten, sondern auch noch 1000 gespendete Schoko-Marschmallow Eier von einem Supermarkt, wurden von uns wild ueber das gesamte Gelaende, in Regenrinnern, auf Mauern, unter Pflanzen, in Bauemen ... versteckt, im Dunkeln natuerlich. Kurz nach 6 wurden dann alle Kinder und Betreuer in den verschiedenen Haeusern mit einem vollgestopften Osternest und einem "Disney"-Ball geweckt(Ein grosses Nest und ein Ball pro Haus) und auf Ostereiersuche geschickt. Ich muss sagen, ich war als Kind schon sehr aktiv beim Ostereisuchen, aber so wie die Kinder hier gerannt sind, grosse und kleine, wow,  dass hab ich noch nie gesehn! Nach nur kurzer Zeit war das gesamte Gelaende von oben bis unten abgegrast und die Kinder kauten gluecklich in ihren Schlafanzuegen an den Ostereiern rum. 

Die Osternester(oben im Bild) wurden dann im Laufe des Tages an die Kinder verteilt und bestanden aus Schokohasen und Eiern, Karamelbonbons, Kaugummis, Muesliriegel etc. Ein riesen grosses Dankeschoen an die Spender aus Deutschland, die den Kindern eine riesen Osterfreude bereitet haben!

Nach diesem erfolgreichen Osterfest ging es dann wieder an die Arbeit und ab Mittwoch wurde dann 3 Tage an Sinazos Geburtstagsgeschenk gebastelt.

Sinazo ist eine Patientin aus dem Baphumelele Respite Care Centre und steht nun nach 3 Monaten bei uns, kurz vor dem Nachhause gehen. Sie ist aidskrank und als sie zu uns kam war sie abgemagert und koerperlich sehr instabil, so wie die meisten unserer Patienten. Sinazo ist ein Waisenkind und ist im Eastern Cape(einer Region innerhalb Suedafrika ca. 500km entfernt von Kapstadt) aufgewachsen. Im Dezember vergangenen Jahres ist sie nach Khayelitsha gekommen und hier bei ihrem Onkel und ihrer Tante zu wohnen, kurz darauf kam sie als Patientin zu uns. Ihr Onkel und ihre Tante leben in einer sehr armen Gegend von Khayelitsha(ja, auch hier gibt es Abstufungen von Wohngegenden). Sie besitzen eine, ein wenig schiefe, selbstgebaute Wellblechhuette, welche ca. 12 Quadratmeter gross und in zwei Raeume aufgeteilt ist. Dort leben sie zusammen mit ihren beiden Kindern(13 und 5 Jahre) und Sinazo. Die 3 Kinder haben zusammen in einem Doppelbett geschlafen, Onkel und Tante auf Decken in der "Kueche". 12 Quadratmeter zu 5- eine haeufige Realitaet hier in Khayelitsha. Wenn man sich bewusst macht, was es heisst zu fuenft auf 12 Quadratmetern zu wohnen, zu kochen, zu schlafen, dann laeuft es einem nur kalt uebe den Ruecken.

Dank Spenden von "be the change that you want to see in the world" hat Sinazo dieses Jahr ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk bekommen: Ihr eigenes Haus, gleich neben dem ihres Onkels, damit sie nun bei ihrer neuen Familie leben kann...

Das neue Haus ist ca. 10 Quadratmeter gross und soll als Schlafsaal fuer Sinazo und ihre zwei Cousinen verwendet werden, damit jeder seinen eigenen Schlafplatz hat und auch Onkel und Tante nicht mehr so beengt auf dem Boden schlafen muessen, sondern wie es sich gehoert in einem Bett.

Ein neues, kleines und schoenes Haus in das Sinazo nun einziehen kann.

 

Unter Bildern "Projekt Sinazo" sind ein paar Bilder von dem neuen Haus und der Wohngegend.

Sinazo war so gluecklich als sie an ihrem Geburtstag eine Karte von uns bekommen hat, auf der stand, dass sie ein eigenes Haus bekommen wird, dass sie mir um den Hals gesprungen ist und eine Woche spaeter eine Osterkarte geschrieben hat in der stand, dass dies das beste sei, was ihr je passiert ist.

Vielen, vielen dank an die Spenderin, die es moeglich gemacht hat Sinazo Freude und Hoffnung zu geben in ihrem wirklich verdammt harten Leben, als aidskranke Waise!

 

x.o.x.o.

Anil

 

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Mi

01

Apr

2009

Eine bittere Realitaet...

Ich sitze im Buero des Baphumelele Children's Home in Khayelitsha und kann mich nur schwer von meinen E-mails losreissen, doch ploetzlich klingelt es an der Tuer. Es ist halb 11, das Geraeusch der Klingel fuehlt sich ungewohnt an, da sie erst vor kurzem fertig gestellt wurde.

"Hmm...das wird wohl wieder ein neues Baby sein. Hoffentlich diesmal mit einem Namen und Geburtsdatum oder zumindest sonstigen Informationen", denke ich mir.

"Nicht so ein Baby wie das, das am Samstag Abend von der Polizei gebracht wurde- ohne Namen, ohne Geburtsdatum, ohne Informationen. Das einzige was sie uns gesagt haben war, dass sie das Bby auf der Strasse gefunden haben und die Eltern im Streit auseinander gegangen sind. Das Baby war krank und liegt inzwischen in Tygerberg (Vorort von Kapstadt) im Krankenhaus." Ich verwerfe meine Gedanken an das kleine Baby ohne Namen wieder und trete hinaus in die Dnkelheit. Es ist windig, vielleicht 15 Grad Celsius warm und ein weisser VW City Golf, das Standardauto der Sozialarbeiter, parkt vor dern Mauern des Kinderheims. Ein kleiner Mann steht vor dem Tor und gruesst mich freundlich, waehrend er mir ein Papier,der Groesse DIN A4, durch die Gitterstaebe reicht. Ich laufe die Treppen zu unserer Wohnung hinauf, um den Schuessel fuer das or zu holen und lese dabei neugierig auf dem Blatt Papier: "Name: Amanda ..." , "Date of Birth: ... 1992".

"Kein Baby sondern ein siebzehnjaehriges Maedchen? Das ist aber merkwuerdig, sowas kommt nur selten vor", denke ich mir waehrend ich mit dem Schluessel in der Hand wieder hinunter gehe. 

Vor dem Tor steht nun, neben dem Mann, auch das Maedchen- Amanda. Ich bedanke mich bei dem Sozialarbeiter, verabschiede mich und lasse Amanda rein.

Sie ist mittelgross, weder schlank noch dick, sieht aelter aus als sie tatsaechlich ist und traegt Rastas. Sie ist schuechtern und unsicher. doch auf dem Weg zu einem der Haeuser taut sie ein wenig auf und erzaehlt, dass sie keinen Ort hat an dem sie schlafen kann. Traenen stehen ihr jetzt in den Augen und ich habe Mitleid mit ihr. Mit einem Laecheln im Gesicht sage ich, dass sie ja jetzt hier in Baphumelele ist und dass es hier jedem gefaellt. Ich frage sie ob sie Hunger hat und bringe sie zu einem der Caregiver, welcher ihr etwas zu essen gibt. Ich lasse sie bei dem Betreuer in guten Haenden, verabschiede mich und wuensche ihr eine gute Nacht.

Auf dem Weg zurueck zum Buero lese ich weiter auf dem Blatt Papier, welches mir der Sozialarbeiter gegeben hat.

Mir bleibt der Atem stehen als ich lese was dort steht: Amanda wurde von ihrem Rasta-Freund und seinen Freunden vergewaltigt. Ich schalte den PC aus und gehe schlafen.

Als ich am naechsten morgen aus dem Auto steige, nachdem ich einen Patienten aus dem Bonita in eine Klinik gebracht habe, packt mich jemand von hinten am Arm. Es ist Nokulunga, die Sozialarbeiterin von Baphumelele, eine kleine aber kraeftige Afrikanerin mit recht kurzen Haaren, einem Hoergeraet im Ohr und leichtem Sprachfehler- eine aeusserst emotionale Persoenlichkeit.

Sie will, dass ich sie fahre und auch Amanda steigt in das Auto ein. Ich gruesse sie, weiss aber sonst nicht was ich sagen soll. Ich komme mir komisch vor sie zu fragen wie es ihr geht oder ein sonstiges Gespraech anzufangen also schweige ich und fahre.

15 Minuten spaeter stehen wir vor einem steinernen Haus, welches der Grossmutter von Amanda gehoert, eine bereits aeltere Frau die nur schwerfaellig laeuft und so wie jede andere Mama hier mindestens 120 Kilo auf die Waage bringt. Wir gruessen uns und fragen der Hoeflichkeit halber danach wie es einander geht. Nur wenige Minuten spaeter befinde ich mich in einem emotionalen Gespraech auf Xhosa, zwischen Nokulunga, Amanda und ihrer Grossmutter. Ich verstehe nur Einzelheiten und versuche mir eine Geschichte daraus zusammen zu bauen, waehrend ich weiterhin aufmerksam dem Gespraech folge, welches immer schneller und lauter wird. Traenen laufen nun Amanda's Wange hinunter und sie versucht sich fuer irgendetwas zu rechtfertigen waehrend ihre Grossmutter zwar mit ihr redet, sie aber keines Blickes wuerdigt. Amanda wischt sich die Traenen mit dem rechten Aermel aus dem Gesicht. Sie sitzt mir gegenueber und ich schrecke zusammen als ich ihr auf das Knie schaue: Eine gut 15cm lange Narbe reicht ihr vom Knie bis zum Schienbein. Das Gespraech ist vorbei...

Wir lassen Amanda bei ihrer Grossmutter und fahren wieder zurueck nach Baphumelele.

Im Auto erfahre ich von Nokulunga, dass Amanda's Mutter in Bellville lebt, eine Stadt ca. 30km entfernt von Khayelitsha. Sie will nicht mehr, dass Amanda bei ihr lebt, da sie nicht auf sie hoert, nicht zur Schule geht und nur tut was sie gerne moechte. Amanda wiederrum behauptet, dass ihre Mutter sich nicht richtig um sie kuemmert- ein tpisches Beispiel fuer einen Streit zwischen Eltern und Kindern hier. Doch nun wird die ganze Geschichte intern, zwischen der Mutter, Amanda und ihrer Grossmutter geklaert.

Ich erfahre ebenfalls, dass der Rastafari-Freund von Amanda inzwischen angeblich von der Polizei erfasst wurde.

Die Narbe an Amanda's Bein stammt von ihrem vorigen Freund, ebenfalls ein Rastafari, welcher sie wohl gejagt hat worauf hin sie von irgendwo runtergefallen ist und sich das gesamte Bein aufgeschlagen hat. Danach war sie in Tygerberg im Krankenhaus, so die Grossmutter. "Genau wie das kleine Baby ohne Namen", denke ich mir.

Immernoch auf der Rueckfahrt wundere ich mich warum Nokulunga so unbeeindruckt ist von der ganzen Geschichte, doch dann stelle ich fest, dass wir in Suedafrika, in Khayelitsha sind und sie nur diese Realitaet hier kennt.

"Vergewaltigen ist wie Brot essen, jeder hier macht es", so Nokulunga.

Ich denke an die ganzen Maedchen in Baphumelele und die schrecklichen Geschichten von vielen von ihnen und ich realisiere, dass es wahr ist. Fuer mich sind es keine Horrorgeschichten mehr von vergewaltigten Maedchen in einem fernen Land, fuer mich sind es Geschichten von Maedchen die ich Tag fuer Tag sehe.

Die Statistiken sagen, dass jedes zweite Maedchen in Kahyelitsha im Alter von 14 Jahren schon einmal vergewaltigt wurde. Eine traurige aber leider wahre Realitaet fuer die Menschen hier und der sexuelle Missbrauch innerhalb der Familien ist vermutlich noch nicht einmal mit inbegriffen.

"Wie sieht nur die Zukunft aus fuer diese Generation von Maedchen?", frage ich mich.

Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack...

 

x.o.x.o.

Anil

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Fr

20

Mär

2009

News (Maerz 2009)

Leider habe ich in den letzten 2 Wochen nicht genuegend Zeit und Kreativitaet gefunden mich an einem neuen Blogartikel auszutoben, deshalb bekommt ihr nun komprimiert und vereinfacht die Zusammenfassung des Monats exklusiv preasentiert:

Da ich ja immernoch ich selbst bin, und auch nach 7 Monaten Suedafrika kein anderer Mensch, hat sich mein Imunsystem die Woche nach meinem letzten Eintrag dann doch noch geraecht fuer den Schlafmangel und die Anstrengung. Nachdem ich dann jedoch wirklich 1 Woche strikt im Bett lag hatte ich wieder neue Energie, welche ich auch dringend benoetigte. Letzte Woche war eine noch stressigere Woche als in dem Blogartikel "Am Limit" beschrieben. Der Montag begann mit 4 kranken Babys die als Notfall ins Krankenhaus mussten, eins davon war fuer kurze Zeit tot, wurde reanimiert und lag 1 1/2 Wochen auf der Intensivstation des Red Cross Children's Hospital. Der kleinen geht es jedoch wieder besser und auch wenn moegliche Gehirnschaeden fuer die Zukunft noch nicht absehbar sind, atmet das Kind wieder selbst und liegt nicht mehr auf der Intensivstation.

Die Woche ging aehnlich stressig weiter und alle Freiwilligen waren nur noch dabei verschiedenen Krankenhaeuser zu besuchen; morgens- mittags- abends- nachts...zu allen moeglichen Tageszeiten mit allen moeglichen Babys. Ich war beispielsweise einen Tag morgens mit einem 1 1-2 jaehrigen Jungen 6 Stunden im Krankenhaus zu einem Entwicklungscheck um eine halbe Stunde nachdem ich wieder nach Hause gekommen war 10 Stunden mit einem anderen kleinen Baby welches Durchfall hatte, Erbrochen hat und dehydriert war, ins Krankenhaus zu gehen und am naechsten Tag mit einem 5-wochen alten Baby im Krankenhaus zu uebernachten. Doch diese Zeiten sind nun vorbei(seit letzten Sonntag)- zumindest voruebergehend.

Die letzte Woche war gepraegt von 2 Grossprojekten, wobei eins davon eher groesser ist als das andere. Marion, Simphiwe(die beiden Manager im Bonita, Respite Care Centre) und ich hatten schon im Dezember beschlossen, dass wir anlaesslich des 2 jaehrigen Jubilaeums des Respite Care Centres einen Tag der offenen Tuer veranstalten wollen. Dieser wird nun naecshten Donnerstag, am 26. Maerz 2009 stattfinden und so war ich vergangenes Wochenende, nachdem ich im Krankenhaus geschlafen habe, damit beschaeftigt Einladungen zu schreiben und Kleinigkeiten zu planen fuer den Tag. Der Tag der offenen Tuer soll hauptsaechlich fuer Krankenschwestern und Aerzte aus Kliniken in und um Khayelitsha sein, wobei diese sich unsere Raeumlichkeiten anschauen koennen und Informationen bekommen darueber welche Patienten zu uns kommen duerfen(Es gibt eine Kriterienliste), wie diese zu uns kommen(die Patienten muessen von einem Doktor zu uns ueberwiesen werden) und was alles bei uns passiert. Jede Klinik bekommt zudem einen bereits vorbereiteten Ordner mit allen Informationen, schriftlich fixiert. Wir erhoffen uns dadurch eine bessere Zusammenarbeit mit den Kliniken und persoenliche Kontakte mit denjenigen Krankenschwestern und Aerzten, welche uns Patienten senden, um vieles fuer uns zu vereinfachen.

Das groessere der beiden Grossprojekte hat meine Woche bisher von morgens bis abends ausgefuellt...Durch das after care programme habe ich diese Woche wieder eine neue Wellblechhuette fuer eine 6 koepfige Familie gebaut. Der ehemalige Patient Sityadala Langa ist recht alt, HIV+ und hat TB(Tuberkulose). Seine Wellblechhuette war weder richtig wasser- noch winddicht und dank Spenden konnten wir ihm und seiner Familie ein neues, 25 Quadratmeter grosses, wind und wasserfestes, schoenes Haeuschen bauen. Die neue Huette soll die Familie gesundheitlich unterstuetzen...Mehr Infos und Bilder vom Abriss und Neubau unter Bilder-Projekt "Sityadala Langa"!

Ein riesen grosses Dankeschoen an die Spender, die dieses Projekt ermoeglicht haben!

 

Das wars dann mal wieder mit Neuigkeiten aus Khayelitsha...

 

x.o.x.o

Anil

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So

01

Mär

2009

Am Limit...

Die letzten 2 Wochen hier in Baphumelele waren wohl die intensivsten und stressigsten seit meiner Ankunft im August vergangenen Jahres.
Nicht etwa, weil das Internet fuer knapp 1 Woche ausgefallen ist und ich keine Emails mehr schreiben konnte, sondern eher aufgrund von langen und unmenschlichen Arbeitszeiten. Ich glaube ich hatte es schon gegen Anfang einmal berichtet. Wir (Die 8 Freiwilligen aus Deutschland) haben keine festen Arbeitszeiten. Wenn man in Baphumelele ist, und das gilt auch fuer das Wochenende, dann arbeitet man, nicht weil man will, sondern mehr weil es niemand anderen gibt der unsere Aufgaben uebernimmt. Man ist grundsaetzlich von Kindern umgeben, die Hilfe bei Hausaufgaben benoetigen, Sisis (diejenigen die auf die Kinder aufpassen) die Reis, Mehl, Spuelmittel oder sonst etwas benoetigen, was sich in dem Container befindet den wir verwalten, Reperaturen die irgendwo gemacht werden muessen, und Notfaellen, bei denen wir mit kleinen Babys oder anderen kranken Kindern ins Krankenhaus fahren muessen. Unter der Woche arbeiten wir „normal" und da wir ja wenn wir nicht arbeiten auch arbeiten, arbeiten wir wenn wir arbeiten oft doppelt...ist das verstaendlich? Nun gut. Die Aufgaben die unter der Woche anfallen fangen bei Krankenhausbesuchen und Essenseinkaeufen fuer 160 Kinder an und gehen ueber Checks bei der Bank einloesen, Spenden von Supermaerkten abholen und die Sozialarbeiterin rumfahren, bis zu Hausaufgabenbetreuung, Vorbereitung von ueberlebenswichtigen Medikamenten gegen HIV und Fahrdiensten von aidskranken Patienten zu ihren jeweiligen Kliniken oder Krankenhaeusern. Das ist auch gut so, denn wir sind ja schliesslich 8 Freiwillige und sind hier zum arbeiten und nicht um Urlaub im Township zu machen. Doch was passiert, wenn drei, vier oder fuenf Freiwillige aus irgendwelchen Gruenden ausfallen?
In den letzten 2 Wochen haben wir es herausgefunden...Wir wurden schon vor einem Monat vorgewarnt, dass Februar und Maerz die Saisonmonate sind fuer Babys die Durchfall bekommen, erbrechen und dadurch dehydrieren, und so kam es dann auch.
Innerhalb von einer Woche hatten wir zu unseren regulaeren 5 Krankenhausbesuchen, die immer morgens sind und im Schnitt 3-8 Stunden dauern, die meiste Zeit natuerlich nur warten), 6 weitere Babys, die an unterschiedlichen Tagen voellig dehydriert ins Krankenhaus mussten. Da das Red Cross Children's Hospital das einzige Kinderkrankenhaus in ganz Suedafrika ist und nicht nur in Baphumelele Durchfall-Saison war, musste man wenn man mittags um 3 mit einem Baby ins Krankenhaus kam, meistens bis 9 oder 10 Uhr warten, um einen Doktor zu sehen. Danach wurde man dann auf die „short-stay ward" S11 gebracht, in der voellig ueberfuellt, ein kleines Bett neben dem anderen stand, getrennt von einem Stuhl, auf dem die Mutter oder aber in unserem Fall die Begleitperson schlafen musste. Die Kinder wurden durch eine Infusion mit einer Zucker-Salz-Wasser Loesung wieder gepeppelt und konnten manchmal nach ein oder zwei Tagen wieder nach Hause, oder wurden in schlimmen Faellen im Krankenhaus auf einer anderen Station dabehalten(ohne Aufsichtsperson). Alle Kinder, die in S11 waren, mussten rund um die Uhr beaufsichtigt werden, meistens von den Muettern, manchmal aber auch von Freiwilligen aus Deutschland, und so kam es, dass man dann mal 26 Stunden im Krankenhaus war, nachts alle 2 Stunden Fragen von der Krankenschwester gestellt bekommen hat, und am naechsten Tag um 8 Uhr abends nach Hause kam. Dann ging es frueh schlafen um am naechsten Tag wieder zu arbeiten. So verlief zumindest das Ende meiner vorletzten Woche und auch die anderen waren alle ziemlich fertig nach ihren jeweiligen „overnight stays". Eigentlich sollte man nach so einer Woche, die fuer alle wirklich anstrengend war, am Wochenende ein ruhiges Programm machen, doch da Allison(eine amerikansiche Sozialarbeiterin die ein halbes Jahr hier gearbeitet hat und auch bei uns in der WG gewohnt hat) am Montag gegangen ist, mussten wir natuerlich die Zeit noch sinnvoll nutzen...
Das ganze endete in einem traenenreichen Abschied am Montag abend am „Cape Town International Airport" und kurz danach begannen die ersten krank im Bett zu liegen.
Diese Woche waren 5 unserer Freiwilligen krank, zwar manche kuerzer als andere, aber dennoch fiel der Rest der Arbeit auf die Gesunden. Und Wunder oh Wunder...ich war gesund. Fragt mich nicht wie das kommt, denn jeder der mich kennt, weiss dass ich eigentlich dazu tendiere schnell krank zu werden und mein Immunsystem nicht umbedingt das beste Teil meines Koerpers ist.
Nachdem wir also Allison am Flughafen abgeliefert hatten und die ersten schon kurz danach krank im Bett lagen, ging es einkaufen, kochen und ins Krankenhaus fahren um Veronika zu einem Baby in S11 bringen, damit sie dort die Nacht verbringt. Gegen 11 Uhr lag ich im Bett, denn ich wusste das am naecshten Tag um 5 Uhr der Wecker klingelt um unseren woechentlichen Gemuese- und Fruechte Einkauf auf dem Grossmarkt zu erledigen. Gegen halb 8 zurueck, dann Fruehstuecken und ab 8 Uhr Patienten in Kliniken, fahren, mit der Sozialarbeiterin rumfahren, einen Check bei der Bank einloesen, mit der Krankenschwester vom Bonitahaus einen Einkauf fuer die Aidspatienten erledigen, Elektrizitaet kaufen(ja, sowohl Elektrizitaet als auch Internet ist hier Pre-paid), Dokumente bei der Polizei beglaubigen, einen kranken Jungen von der Schule abholen und und und...Der Abend endete gegen 5, mit der Nachricht, dass am naechsten Tag jemand um halb 5 auf den Grossmarkt fahren soll, fuer das Baphumelele Educare Centre(Kindergarten fuer ca. 300 Kinder) um 300kg Kartoffeln, Tomaten, und noch ein bisschen anderes Gemuese zu kaufen. Inziwschen waren noch mehr Leute krank geworden und so musste ich am naechsten Tag wieder frueh raus (um 4.15) und den ganzen Tag bis abends um 6 arbeiten. Donnerstag ab 7 Uhr morgens(das war schon ausschlafen) bis abends rumfahren und Freitag dann um 6 Uhr morgens in Krankenhaus mit dem kleinen Inga,ja, er ist ein Junge, zu einer Zahnoperation...Das Fazit der Woche: gut 50 Stunden Arbeit und ca.1000km mehr auf dem Kilometerzaehler des roten Opel Corsas, mit dem ich immer gefahren bin.
Und die Moral von der Geschichte: Es spielt keine Rolle wie viel ein einzelner Arbeiten muss, denn unterm Strich gibt es eine Liste von Aufgaben die alle Freiwilligen zusammen erledigen muessen, egal wie viele Krank sind oder fehlen.
Jetzt wird erstmal entspannt am Wochenende, denn Montag geht es wieder um 6 Uhr mit meinem Lieblingsbaby Lelam ins Krankenhaus. Wenigstens sind inzwischen wieder alle gesund und somit wird die naechste Woche mit 11 regulaeren Krankenhausterminen, hoffentlich entspannter :). 

Immer optimistisch bleiben und versuchen das positive in den Dingen zu sehen...

 

x.o.x.o.

Anil

 

 

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Di

17

Feb

2009

Ein grosser Schock...

Jetzt sind schon wieder 2 Wochen vergangen seit ich das letzte mal einen Artikel verfasst habe, aber es war mal wieder viel los. Seit Anfang Februar herrscht hier Hochsommer und es ist stickig heiss. Wir waren viel beschaeftigt mit Extra-Krankenhausbesuchen mit dehydrierten Babys, mit denen dann auch noch oft jemand ueber Nacht bleiben musste und natuerlich mit den sonstigen kleinen Herausforderungen des Alltags.

Fuer mich ist Baphumelele, seit ich hier bin, ein Platz an dem ich mich einfach Wohl fuehle, ein Ort der Geborgenheit gibt und einfach ein richtiges Zuhause. Doch wie sieht das ganze aus, aus den Augen der Kinder? Meine Meinung war bisher oft, dass die Kinder hier recht verwoehnt sind, weil sie im Gegensatz zu tausenden anderen Kindern im Township ein eigenes Bett haben und regelmaessig zu Essen bekommen. Es gibt viele Geschenke durch Spenden und immer wieder kommen Besucher die neue Dinge fuer die Kinder mitbringen.

Vor ca. 4 Monaten kamen zwei Schwestern aus einem Nachbartownship zu uns nach Baphumelele, Nokwanda(15) und Thandeka(11). Sie hatten am Anfang, so wie einige der aelteren Kinder die zu uns kommen, Schwierigkeiten sich hier wohlzufuehlen und haben immer wieder gesagt sie wollen nach Hause(die Eltern leben nicht mehr uns sie haben bei ihrer Tante gewohnt, welche sie geschlagen hat).

Eines Nachts als ich ins Bett gehen wollte und zu unserer Wohnung gelaufen bin, habe ich Nokwanda, die aeltere der beiden heulend auf dem Boden gesehen und sie gefragt was los sei. Sie hat nur gemeint sie will nach Hause. Ein paar Tage spaeter ist sie wirklich weggelaufen, wurde aber bei ihrer Tante im Nachbartownship gefunden.

Mit der Weile haben sich die beiden eigentlich ganz gut in Baphumelele integriert und vor allem die Juengere schien meiner Meinung nach hier unheimlich gluecklich. Sie ist ein sehr lebensfrohes und intelligentes Maedchen und ist unheimlich wissbegierig. Sie fragt immer einen von uns Freiwilligen was irgendwelche Saetze auf Deutsch heissen und geht dann zu einem Anderen hin um mit ihm Deutsch zu sprechen.

Letzte Woche Donnerstag jedoch, sind diese beiden Maedchen und noch 2 andere Schwestern, Thembeka(11) und Nomaphelo (6) von Baphumelele abgehauen. Niemand hatte damit gerechnet, und die ersten Vermutungen waren, dass alle bei der Tante von Nokwanda und Thandeka waren, was sich jedoch nicht bewahrheitet hat. Gestern bin ich studenlang mit der Sozialarbeiterin rumgefahren, entfernte Verwandte von den Kindern besuchen um zu fragen ob diese vielleicht wissen wo die Kinder sind und zu Schulen gefahren um Lehrer und Schueler zu befragen.

Heute Nachmittag wurden sie dann gluecklicherweise in der Heimatstadt von den beiden juengeren Geschwistern(Thembeka+Nomaphelo), 40km von Khayelitsha, gefunden.

Die ganze Geschichte ist wahnsinnig kompliziert und es ist auch nicht leicht alle Details aufzuzaehlen ueber die Gruende des Weglaufens und den ganzen Hintergrund, weil ich ueber vieles nicht genau bescheid weiss und vieles noch ungeklaert ist, aber fuer mich war es einfach ein schockierendes Erlebnis, dass diese kleinen Kinder(abgesehen von einer Teenagerin) abgehauen sind und erst nach 6 Tagen wieder gefunden werden.

Man lernt Dinge einfach mit anderen Augen zu sehen... Fuer mich mag Baphumelele vielleicht ein schoener Ort sein and dem ich mich Wohl fuehle, aber fuer viele Kinder hier ist es vielleicht eher ein Gefaegnis, ein Ort an dem sie von anderen Kindern gemobbt oder geschlagen werden, ein Ort an dem sie wenig Aufmerksamkeit bekommen und ein Ort an dem sie oft nicht sie selbst sein koennen.

Man koennte jetzt natuerlich noch viel philosophieren ueber die Problematik von Waisenhaeusern, speziell fuer Kinder mit so verdammt schwierigen Hintergruenden, aber ich wollte euch eher damit sagen, dass Baphumelele nicht immer nur ein bunter, schoener Ort, voller Kinderlachen und Freude ist, sondern dass man umso laenger man hier lebt, auch von tiefliegenden Problemen mitbekommt. Und nur die wenigsten dieser Probleme lassen sich loesen... 

 

x.o.x.o

Anil

 

P.S.: Wir haben inzwischen fuer jeden unserer 13 Vorschulkinder Paten aus Deutschland gefunden. Vielen, vielen Dank fuer die kraeftige Unterstuetzung!

 

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Do

29

Jan

2009

Patenschaften fuer Vorschueler

...Wie ich bereits am Anfang meines Jahres in einer Rundmail erwaehnt habe, besteht Baphumelele aus vielen Teilen. Einer davon ist unter vielen anderen das "Baphumelele Educare Centre". Es ist ein Kindergarten fuer rund 300 Kinder aus der Umgebung, angefangen bei 6-Monate alten Babys bis zu 6 Jahre alten Jungs und Maedels.

Fuer die Aeltesten (5 und 6 Jahre) gibt es die so genannte "Grade R", eine Vorschule die zur Zeit aus 2 Klassen mit jeweils 15 Schuelern besteht. Dort sollen die Kinder durch spielerisches Lernen auf die Schule vorbereitet werden. Es wird viel gebastelt und gemalt, Grundkenntnisse in Englisch werden den Kindern beigebracht und jede Woche hat ihr eigenes Thema, wie z.B.: "Wachstum und Entwicklung" oder "der Weltraum". Waehrend dieser Woche wird dann zu diesem einen Thema unterricht gemacht. (darueber gesprochen, dazu Basteln, Malen, manchmal Singen oder auch Spielen)

Die "Grade R" geht genauso lange wie ein normales Schuljahr, und die Kinder bekommen danach ein Qualifikationszeugnis fuer die Schule in denen ihre Lernfortschritte festgehalten werden(etwa so ein Bericht wie im Zeugnis eines Erstklaesslers). Meiner Meinung nach, ist diese Vorschule fuer die Kinder extrem wichtig, da sie schon frueh lernen, dass Bildung wirklich wichtig fuer sie ist und lernen, dass Bildung hier im Township der einzige Weg aus der Armut ist.

Dieses Jahr gibt es in der "Grade R" ein aussergewoehnlich hohen Teil an Kindern aus Baphumelele(insgesamt 15 Stueck). Die Eltern der anderen Kinder zahlen fuer das eine Jahr Schulkosten in Hoehe von ca. 100 Euro. Dieses Geld wird verwendet fuer Essen(die Grade R beginnt morgens um 8 Uhr und geht bis ca. 15 Uhr), Material wie Papier, Stifte, Wasserfarben, Scheren etc., Ausfluege mit der Klasse und die Bezahlung der 2 Lehrkraefte.

Unsere Kinder in Baphumelele haben sehr unterschiedliche Hintergruende, doch sie haben alle gemein, dass niemand fuer ihre Bildung zahlen kann: Manche haben keine Eltern mehr, bei anderen sind die Eltern schwerkrank und zu arm um sich so etwas zu leisten und bei wieder anderen kuemmert es die Eltern ueberhaupt nicht, da sie ihre Kinder missbraucht oder auf der Strasse liegen gelassen haben, und das der Grund ist warum sie bei uns sind...

Ich moechte hier auch gar nicht weiter ins Detail gehen, oder sagen wie schrecklich ungerecht die Welt doch ist, aber ich denke es gibt Dinge gegen die man einfach etwas tun kann, und genau deshalb versuchen wir Freiwilligen derzeit Paten fuer diese Vorschueler zu finden.

Ich weiss, dass der Betrag von 100 Euro nach wirklich viel klingt, aber wenn man sich ueberlegt, dass man damit eine entscheidende Veraenderung im Leben eines Kindes bewirkt, und dieses 1 Jahr lang zur Schule gehen kann, relativiert sich der Betrag.

Wer eines dieser Kinder gerne unterstuetzen moechte, kann dies durch eine Spende auf mein Konto tun. Zwar ist es sehr schoen, wenn sich ein Spender fuer ein Kind findet, doch wenn jemandem der Betrag zu hoch ist, sind wir auch froh ueber jede Beteiligung ab 10 Euro...

Da auch die anderen Freiwilligen versuchen Paten zu finden, und wir kein Kind doppelt vergeben wollen, bitte ich euch mir BEVOR ihr spendet eine Email zu schreiben und euch zu informieren, danach kann dann die Patenschaft eingeleitet werden. Bei Fragen nach weiteren Infos etc. koennt ihr euch natuerlich auch gerne jederzeit an mich wenden.

Meine E-mail Adresse: AnilShah@web.de, oder unter Kontakt auf meiner Homepage.

 

Zu guter Letzt habe ich euch noch einen Spruch, der in unserer Wohnung an der Wand steht, welchen ich wirklich sehr schoen finde und der meiner Meinung nach auch sehr angebracht ist. Einfach durchlesen und sich Gedanken machen:

 

One hundred years from now it will not matter

what car I drove,

what my clothes looked like,

what my bank account contained,

but the world may be a better place

because I have made the difference

in the life of a child...

 

 

 

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Sa

17

Jan

2009

Schenk mir ein Laecheln...

Nach einem sehr interessanten einwoechigen Zwischenseminar und 3 unheimlich schoenen und erholsamen Wochen Urlaub mit meiner Familie bin ich am Mittwoch mittag so gegen halb 1 wieder in Baphumelele angekommen. Kaum 1 Stunde spaeter befand ich mich mit Imange, einem kleinen, 1 ½ jaehrigen Baby im Red Cross Children's Hospital in Kapstadt. Der kleine hatte seit Tagen Durchfall, erhoehte Temperatur und war bereits die Nacht zuvor mit Veronika im Krankenhaus, die ich dann tagsueber abgeloest hatte. Der kleine Junge ist mir vorher im Babyhaus unter den gut 40 anderen Babys gar nicht gross aufgefallen und ploetzlich lag er in seinen Windeln und dem blauen Krankenhauskittel auf meiner Brust und schaute mich mit seinen grossen, braunen Glubschaugen an. Ein unheimlich suesses kleines Baby, durch den Magendarmvirus den er hatte aber zu schwach zu lachen, zu weinen oder sonst etwas zu tun- er lag einfach nur da. Dazwischen sass er auf meinem Schoss und schaute interessiert in dem grossen Raum herum, dann schlief er wieder, dann war Windeln wechseln angesagt, ich hab ihm etwas zu trinken gegeben und wieder begann alles von vorne. Er wurde gewogen - 8,57 kg und seine Temperatur war mittlerweile auf 36,5 Grad gesunken.
Doch waehrend der ganzen Zeit hat der Kleine nicht eine emotionale Reaktion von sich gegeben. Er hat nicht geweint als seine Windel voll war oder gelacht als er eine frische bekommen hat, hat nicht geschrien als er Durst hatte oder sich gewehrt als er seine Medizin bekam, er war einfach nur still.
Gegen 8 Uhr abends bekam ich dann einen Anruf, dass Veronika die Nachtschicht wieder uebernehmen wuerde, da der Kleine noch einmal ueber Nacht bleiben musste, sich aber kein Bett fuer ihn gefunden hatte. Kurz danach, als ich ein wenig mit ihm auf dem Arm in der „Short-stay ward" (Dahin kommen Babys ueber Nacht wenn sie auf keiner Station ein Bett bekommen haben und die Eltern muessen dann auf einem Stuhl neben einem kleinen Bett auf das Kind aufpassen) rumgelaufen bin habe ich Imange hoch in die Luft gehoben, ihm auf den Bauch gepustet und ihn wieder auf den Arm genommen; und noch einmal; und noch einmal und ploetzlich fing der Kleine Zwerg an zu laecheln. Nach 7 Stunden emotionaler Leere ein kleines Laecheln. Ihr koennt euch nicht vorstellen wie gluecklich ich war dieses suesse Laecheln zu sehen. „es ist doch nur ein Laecheln von einem kranken Baby", aber es gibt einem so viel Freude und Energie und man faengt irgendwie selbst an vor sich hinzuschmunzeln. Es sind diese kleinen Momente an die man sich auch Stunden und Tage danach noch erinnert, egal wie viel anderes man erlebt.
Nachdem ich von Veronika wieder abgeloest wurde bin ich dann mit Jakob und Jonas unsere Mittwochabend Essenspende abholen gegangen und um 10 Uhr abends war dann Feierabend, nach einem ereignissreichen ersten Arbeitstag, nach meinen langen Ferien.
In diesem Sinne hoffe ich, dass auch ihr jeden Tag mindestens 1 Laecheln von Herzen von euch gebt und jemand anderen damit gluecklich macht...

 

x.o.x.o.

Anil

 

P.S.: Dem kleinen Imange geht's wieder recht gut und er ist wieder zurueck im Babyhaus.

 

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Sa

13

Dez

2008

Achtung: Sommerpause!

Vergangenen Montag haben hier in Kapstadt die grossen Sommerferien angefangen, was fuer uns so viel bedeutet hat wie: Alle, wirklich ALLE Kinder sind da! Natuerlich waren wir Montag aber schon bestens dafuer prepariert mit ueber 100 Kindern unser Wochenprogramm zu starten: Basteln, Fussball spielen, Fahrrad fahren gehen, Tanzen und Singen, Backen fuer Weihnachten, Spiele spielen, Filme schauen und und und...Anfangs war das Ganze noch ein wenig unorganisiert, doch nachdem man dann zum 10ten mal alle Kids zusammengerufen hat, lief das Programm recht gut. Die Kinder haben es vor allem genossen sich viel zu bewegen, ein wenig rauszukommen aus dem Baphumelele Gelaende und Spass zusammen zu haben.

Doch nicht nur den Kindern steht eine lange Sommerpause bevor, sondern auch mir.

Nachdem morgen der Day of Celebration & Rememberance stattfindet, werde ich zusammen mit Jonas, Veronika und Lina nach Hermanus auf unser 1-woechiges Zwischenseminar fahren. Kaum zurueck vom Seminar, besucht mich dann meine Familie hier in Suedafrika und ich werde mir 3 Wochen Urlaub nehmen. Aus diesem Grund wird es in den naechsten Wochen ruhig hier werden, doch ich verspreche euch, dass es ab Mitte Januar wieder jede Menge Neuigkeiten hier gibt, rund um mein Leben in Khayelitsha.

 

Ich moechte mich auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken fuer euer aller Unterstuetzung, die vielen Emails und motivierenden Worte, die Spenden und das Interesse an meiner Arbeit!!!

Ich wuensche euch allen, Verwandten, Freunden, Sponsoren und sonstigen Leserinnen und Lesern, wunderschoene weisse Weihnachten, entspannende Feiertage und natuerlich einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Bleibt alle gesund und geniesst die Feiertage mit euren Familien...

 

Auf ein wunderbares 2009...

 

x.o.x.o.

Anil

 

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Sa

29

Nov

2008

Projekt "Mama Joyce"

Nur wenige Wochen sind vergangen seit ich die Spendenaktion "be the change that you want to see in the world" gegruendet habe und trotzdem gab es bereits viel Resonanz von sehr grosszuegigen Spendern, wofuer ich mich hier noch einmal ganz herzlich bedanken moechte! Wir haben viele Patienten denen wir bereits durch diese Spenden helfen konnten, doch das bisher groesste Projekt fand in den letzten 3 Tagen statt. Eine unserer ehemaligen Patienten (Mama Joyce, 49) hat in einer Wellblechhuette in unzumutbaren Bedingungen gelebt:
"Die Holzwaende sind komplett durchnaesst und verbogen, der Balken, der das Dach stuetzt ist eingebrochen, ueberall Loecher und Schimmel und nur eine verdreckte Matratze auf der die 3 schlafen. Moeglichkeiten zu Kochen sind kaum vorhanden und ein Plumpsklo befindet sich vor der Shack...", so die Beschreibung in meinem Spendenaufruf damals.  

Am Mittwoch morgen waren wir (2 Arbeiter von Baphumelele, Veronika, Jakob und ich) hochmotiviert und wie verabredet um 9 Uhr morgens an der Shack, um diese abzureissen, mussten dort aber dann feststellen, dass die Jungs aus der Nachbarschaft die alte Shack bereits dem Erdboden gleich gemacht hatten. Wir waren dann kurz ein wenig betruebt, weil wir uns am meisten auf das Abreissen gefreut hatten, aber irgendwie war es dann doch schoen zu sehen, dass hier ein sehr grosser Nachbarschaftszusammenhalt besteht. Am Vorabend waren wir noch Mama Joyce besuchen um die letzten Kleinigkeiten bezueglich des Umbaus mit ihr abzusprechen und weil sie schon dort sehr aufgeregt war, hat sie vermutlich die Jungs aus der Nachbarschaft angeheuert, damit der Umbau auch moeglichst schnell verlaeuft. Ungefaehr 57 Stunden nach unserer Ankunft am Mittwoch morgen war eine komplett neues Bungalo aus Wellblech(4m x 5m), mit zementiertem Boden und Holzwaenden als Innenverkleidung fertiggestellt. Ich hatte eine Art "Wellblechhuetten-Baufirma" engagiert, welche die Huette geliefert und aufgebaut hat, die Innenverkleidung aus Holz und das Zementieren des Bodens war dann unser Job. Mit Hilfe von den Arbeitern aus Bap konten wir dann gestern Abend das Haeuschen erfolgreich abschliessen. Mama Joyce, sowie die ganze Nachbarschaft war unendlich dankbar fuer den Neubau, den wir dank eurer Spenden aus Deutschland ermoeglichen konnten. Vor 2 Monaten war dieses ganze Projekt nur eine Idee, wie man einer schwerkranken Frau und ihrern Kindern langfristig helfen kann, und nun ist es fuer sie Realitaet geworden: Sie besitzen ein wetterfestes Haus ohne Loecher indem sie von nun an hoffentlich gesund leben koennen. Ohne die enormen Summen von Spenden, waere ich nie in der Lage gewesen Mama Joyce in diesem Masse zu helfen, daher noch einmal ein ganz herzliches Dankeschoen, an diejenigen die dieses Projekt ermoeglicht haben!

Ich koennte jetzt noch Seiten schreiben von den Erlebnissen in den letzten 3 Tagen, den Problemchen die es wohl bei jedem Bauprojekt gibt, der Freude und Dankbarkeit der Menschen dort und der Atmosphaere in der wir als Europaer inmitten von Wellblechhuetten gearbeitet haben, doch ich glaube das wuerde den Rahmen dieses Blogs mal wieder sprengen.

Die Bilder von der Shack, wie sie vorher aussah sind ja schon seit laengerem auf meiner Homepage zu finden, und ich hoffe, dass ich bald auch die Bilder von der neuen Huette online stellen kann. Bis dahin muesst ihr jedoch kreativ sein und euch den Neubau vorstellen...

 

x.o.x.o

Anil

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Di

25

Nov

2008

"The Day of Celebration & Rememberance"

...Es tut mir leid, dass es mal wieder so lange gebraucht hat, bis ihr wieder was von mir zu hoeren bekommt, aber in letzter Zeit war mal wieder viel los.

Hier die SMS-Zusammenfassung: Letzte Woche hatten Veronika und Marie Urlaub und es standen besonders viele Krankenhausbesuche fuer den Rest von uns an, im after care programme tut sich gerade so einiges, die kleine Jessica(6) hat eine Zahnluecke auf die sie sehr stolz ist, Hopolang(5), ein kleiner, verschuechterter und schielender Junge redet auf einmal, wir haben mal wieder eine Menge von neuen Kindern bekommen, die Grade R (Vorschulkids) hatten letzten Samstag Abschlussfeier(hier endet das Schuljahr im Dezember und faengt Ende Januar wieder an), am Wochenende sind uns zwei 14-jaehrige Maedels abgehauen(aber inzwischen wieder da), meine kleine Prinzessin Kagiso(16 Monate) hat 3 Zaehne und faengt an alleine zu laufen, wir sind dabei das Ferienprogramm fuer die Sommerferien hier zu gestalten und last but not least: Das Wetter ist sonnig und ungefaehr 30 Grad waermer als in Deutschland...

So, nun aber zu dem eigentlichen Thema des heutigen Blogs: "The Day of Celebration & Rememberance".

Das Baphumelele Respite Centre (Bonitahaus) besteht nun schon seit Maerz 2007. Da die Patienten im Durchschnitt immer nur fuer eine Zeit von ca. 2 Monaten bei uns sind, um sich von ihrer Krankheit zu erholen und neue Kraft zu sammeln haben wir mittlerweile eine ganze Reihe von Ex-Patienten. Am Sonntag, den 14. Dezember wollen wir zusammen mit unseren ehemaligen Patienten und ihren Familien feiern und an diejenigen Patienten denken, die waehrend dieser Zeit verstorben sind. Es werden vermutlich ca. 150 Gaeste kommen und das Programm wird aus verschiedenen Reden, sowohl von Baphumelele aus, als auch von Seiten der Patienten, bestehen, die Tanzgruppe und der Kinderchor von Baphumelele werden ebenfalls auftreten. Es wird ein Buffet geben und ab naechster Woche werden die derzeitigen Patienten zusammen mit uns anfangen die Dekoration zu basteln. "Mit diesem Tag wollen wir den Patienten zeigen, dass auch wenn sie nur fuer kurze Zeit bei uns waren, sie ein Teil von Baphumelele sind und das wir sie als Menschen nicht vergessen haben und immernoch jederzeit fuer sie da sind", so die ungefaehre Bedeutung der Einladungen, welche ich letzte Woche gestaltet habe. Gestern ging es dann ans ausfahren der Einladungen und zum ersten Mal seit ich hier bin wurde mir eigentlich bewusst wie riesig Khayelitsha abseits von den (Haupt-)strassen ist. In manchen Teilen aneinandergereihte Fertighaeuser, welche von der Regierung gebaut wurden, in anderen eine Wellblechhuette neben der anderen, aber egal wo man hinsieht, die Hausnummern sind nicht zu verstehen. Khayelitsha ist in verschiedene Sektionen eingeteilt, welche jeweils mit einem Buchstaben anfangen, doch ich nehme an dadurch dass es so schnell gewachsen ist und immernoch waechst stehen die Buchstaben und Zahlen total verwirrend an den "Haeusern". Mal mussten wir(also Patrick, einer der hier arbeitet und ich) "B91B" suchen mal aber "34728" und wieder ein anderes mal war ein Strassenname mit Hausnummer angegeben. Ich war dann recht beruhigt, dass auch Patrick, der seit Jahren hier lebt, teilweise recht verloren war und nach 6 Stunden Fahrerei hatten wir dann auch den Grossteil der Einladungen hinter uns. In den naechsten Wochen stehen dann noch einige kleinere Vorbereitungen fuer die Feier an doch mit Sister Marion(einer Krankenschwester die eigentlich aus England kommt aber mit ihrer Familie seit Jahren hier in Cape Town wohnt) habe ich eine tolle Organisationspartnerin gefunden und freue mich schon sehr auf den 14. Dezember. Nur einer Sache blicke ich noch gespannter entgegen: dem morgigen Tag! Wochen nachdem ich die Spendenaktion "be the change that you want to see in the world" eingefuehrt habe, kann nun endlich das Projekt "Mama Joyce"(der Ausloeser zu der Spendenaktion) realisiert werden. "Meine" absolut genialen und wirklich unheimlich grosszuegigen Spendern aus Deutschland haben es nicht nur ermoeglicht, dass allen aktuellen Patienten finanziell geholfen werden kann, sondern auch, dass Mama Joyce und ihre zwei Kinder bald ein neues Zuhause haben! Tausend Dank!!!

Genaue Infos zu dem Project "Mama Joyce" bekommt ihr in den naechsten Tagen... versprochen.

 

x.o.x.o.

Anil

 

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Di

11

Nov

2008

"I have a dream..."

Fuer alle Schulkinder ab der ersten Klasse hier in Baphumelele fanden in den letzten Monaten so genannte "Homeworkgroups" statt, welche auf freiwilliger Basis von amerikanischen Studenten an der UCT(University of Cape Town) geleitet wurden. Diese Studenten sind nun aber, nach ihrem Auslandssemester, wieder auf dem Weg in die Heimat und so kamen wir "long term volunteers" ihrere Bitte nach, die Homeworkgroups weiterzuleiten. Es geht dabei nicht um eine Hausaufgabenbetreuung oder Nachhilfe, sondern viel mehr um 2 Tage in der Woche, in denen 1 Stunde lang kreatives Lernen fuer die verschiedenen Altersstufen angeboten wird. Mit den Erstklaesslern werden beispielsweise Zahlen, das Alphabet und Grundlagen in Englisch auf spielerische Art und Weise gelernt. In den letzten Wochen hatte ich zusammen mit Jakob und Allison die Gruppe der Erstklaessler geleitet, doch nun, da die Studenten alle gegangen sind, haben wir die Gruppenleitung geaendert. Von nun an bin ich zusammen mit Marie verantwortlich fuer die 7-8 Klaessler. Da sich in dieser Gruppe unheimlich viele pubertierende Maedchen befinden, die vermutlich aufgrund von weiblichem Erbgut ein enromes Kommunitkationsbeduerfnis haben, und dieses auch noch auf Xhosa praktizieren, mussten wir gleich gestern, in unserer ersten Stunde, hart durchgreifen. Gesprochen wird von nun an nur noch auf Englisch, Xhosa und Deutsch ist waehrend der Homeworkgroup nicht erlaubt und Grundregeln wie "wir lassen die anderen ausreden" und "man schlaegt seinen Sitznachbarn nicht auf den Hinterkopf" wurden aufgestellt. Waehrend der Stunde, in der wir die Teenager gefragt haben was sie bisher gemacht hatten, was sie gut fanden und was ihnen eher nicht so gefallen hat, was sie in Zukunft gerne machen wuerden und wie sie die Homeworkgroups abhalten moechten, haben sich dann auch die Aktivsten nach und nach an die Regeln gehalten.

Zum Ende hin haben wir jedem Kind dann noch ein Blatt Papier gegeben mit der Aufgabe ihre Traeume und Zukunftsplaene  zu visualisieren und danach der Gruppe vorzustellen. Die 16 jaehrige Lizeka hat zB. verschiedene Etappen auf dem Weg zu ihrem Traum gemalt. Die High School, in der sie sich gerade befindet. Danach will sie studieren, Pilot werden, heiraten, zwei Kinder bekommen, ein Junge und ein Maedchen, in einem schoenen Haus mit ihrer Familie leben, ein Auto kaufen und schliesslich Grossmutter werden.

Es hat sowohl Marie als auch mich sehr beruehrt wie sie ihren Traum vorgestellt hat. Wir haben uns danach gefragt was wohl ein 16 Jaehriger Teenager in Deutschland gemalt haette...

Fuer viele ist Lizekas Traum sicher nichts besonderes, und auch ich haette diesen Traum, wenn ich ihn vor einem halben Jahr gehoert haette, fuer etwas voellig normales und erreichbares gehalten. Doch fuer sie, ist es wirklich ein Traum. Es ist ein harter Kampf, die Universitaet zu erreichen ohne viel Unterstuetzung von "Zuhause". Geld fuer das Studium, die Ausbildung, wo soll sie wohnen? Tausende, offene Fragen die sich stellen und nicht wenige davon haben viel mit Geld zu tun. In Deutschland waere diese Zukunftsvision von Lizeka fuer einen Teenager vermutlich eher eine Art Plan und keine Vision. Ein Teenager, der in einem Kinderheim mitten in einem Township aufwaechst hat nunmal nicht im geringsten die gleichen Chancen, wie ein Teenager, der in wohlhabenden Heim aufwaechst und von Zuhause Unterstuetzung erhaelt. Diese extreme Chancenungleichheit ist natuerlich keine neue Erkenntnis, aber sie wird einem noch einmal ganz anders vor Augen gefuehrt, wenn man den Hintergrund dieser Teenager live miterlebt. Doch die Hoffnung, und das ist das schoene an den meisten Menschen hier im Township, wird niemals aufgegeben und wie einer der aelteren Jungs neulich zu mir meinte: You can be anything, if you really want it. But you have to want it!

 

In diesem Sinne, traeumt noch schoen vor euch hin....

 

x.o.x.o

Anil 

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Di

28

Okt

2008

The Khayelitsha Festival

Freitag bis Sonntag fand in einer grossen Turnhalle in Khayelitsha das „Khayelitsha Festival" statt. Es war durch Poster an jeder Strassenecke schon vor Wochen gross angekuendigt, doch was es wirklich war wusste ich bis letzten Donnerstag nicht so richtig, da Jugendliche von einem Konzert sprachen, einige Sisis von einer Modeausstellung und wieder andere von einer Werbeveranstaltung fuer NGOs(Non Governmental Organisations). Nachdem ich dann Donnerstag mit Simphiwe(meinem Chef) zum Aufbau des Baphumelele Standes gefahren bin, war ich schlauer. Das Festival war eine Messe fuer ca. 200 Aussteller, die sich der Bevoelkerung von Khayelitsha und vielen weiteren Besuchern, vorstellen konnten. Unter den Ausstellern waren Banken, Privatunternehmen, viele soziale Projekte, Produzenten von Musikern und nicht zu letzt wir, das Baphumelele Children's Home. Spontan, wie hier so gut wie alles laeuft fragte mich Simphiwe Donnerstag abend dann, ob ich nicht Freitag unseren Stand auf dem Festival repraesentieren koennte, da er bisher noch niemanden gefunden hatte.
Also hiess es Freitag 11 Stunden auf dem Khayelitsha Festival arbeiten...naja, arbeiten trifft es wohl nicht ganz richtig: Immer wieder die gleichen Fragen beantworten, Flyer verteilen, nett laecheln, noch einmal Smalltalk hier und da, wieder nett laecheln usw...
Das Festival war sehr gut organisiert und sowohl von der Stadt als auch von Privatunternehmen gesponsert und somit fand sich mal wieder ein Kontrast im Land der Extreme...Eine grosse Messehalle mit Teppichbodenbelag, kleinen Kabinen fuer die Aussteller inklusive Namensschilder, und einem wirklich beachtlichen Aussenbereich: Auf der einen Seite der Halle befand sich eine riesige Buehne mit Technik wie man sie auf einem Open Air Konzert in Europa haben wuerde, auf der anderen Seite die „Youth Zone", mit kleiner Buehne, Sportaustellern und Schulabgaengerberatung fuer die Jugendlichen und ein Haufen von Essensstaenden. Und all das mehr oder weniger in mitten von einem Meer aus Wellblechhuetten...Willkommen in Suedafrika!
Auch Samstag bin ich wieder zum Khayelitsha Festival gegangen, diesmal aber als Besucher und nicht als Aussteller. Ich habe es unheimlich genossen in dieser einfach tollen Atmosphaere rumzulaufen und mit vielen verschiedenen Leuten zu reden. Kinder aus Khayelitsha, Erwachsene aus anderen Townships, Englaender und Deutsche (ja, die gibts hier wirklich ueberall in Cape Town) aus Cape Town.
Mein persoenliches Highlight des Festivals war jedoch die Youth Zone, in der locale Rapper aufgetreten sind. Gegen spaeter gab es auch noch eine „open mic session" (was so viel bedeutet wie, jeder der moechte darf auf die Buehne) und mich hat es umgehauen bei den Schulkindern und Jugendlichen die sich vor 400 Leute auf die Buehne gestellt haben und wirklich einmalig gerappt haben! Leider konnte ich nicht alle Songtexte verstehen, da viele auf Xhosa waren, aber im Allgemeinen ging es viel um Bildung, ihren Hintergrund und dir Armut oder einfach Dinge aus dem Alltag. Es war eine super Atmospaehre, tolle Musik, interessante Menschen und einfach eine sehr gelungene Veranstaltung!

x.o.x.o

P.S.: Ja meine Lieben, bei uns hat es gerade knapp 30 Grad und Sonne und ja, ich lag Sonntag den ganzen Tag am Strand und hab mich gesonnt. Aber nur noch 8 Monate dann habt ihr in Deutschland auch wieder Sommer, also aergert euch nicht;).

 

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Di

14

Okt

2008

Breaking News...

Nein, heute erzaehlt Onkel Anil euch keine Geschichte, sondern es gibt ein paar brandaktuelle Infos rund um Baphumelele und vor allem zu uns Volunteers:

Kgomotso, die Zwillingsschwester von Kagiso, wurde aus dem Krankenhaus entlassen und lebt nun wieder bei uns im Babyhaus. Ihre Muskulatur ist nach der Erkrankung(Hirnhautentzuendung) immernoch sehr verkrampft und sie bekommt Medizin gegen epileptische Anfaelle. Die Aerzte meinen jedoch, dass sie ansonsten aus medizinischer Sicht okay sei, und dass sowohl physische als auch geistige Beeintraechtigungen durch die Krankheit noch nicht abzuschaetzen sind...

Und nun zu uns... Wie ich vielleicht schon einmal am Rande erwaehnt habe lebe und arbeite ich hier mit 8 anderen Freiwilligen zusammen. In den letzten 2 Monaten hat jeder mal so ziemlich alles gemacht was wir als Freiwillige hier tun muessen, doch nun haben wir die Aufgaben klar eingeteilt um mehr Struktur und Effektivitaet in unsere Arbeit zu bringen(detailierte Beschreibungen zu den Aufgabenfeldern findet ihr in meiner ersten Rundmail unter Publikationen):

Johanna und Veronika kuemmern sich um alles rund um die Medizin und Krankheiten der Kinder. (Dabei unterstuetzt werden sie natuerlich von einer Aerztin die 2mal die Woche kommt und einer Krankenschwester die 3mal die Woche kommt)

Lina und Marie machen die Grade R(die Vorschule) und Programm mit den Patienten aus dem Bonitahaus, um diese ein wenig zu mobilisieren, damit sie nicht nur im Bett rumliegen.

Allison(eine Amerikanerin die fuer ein halbes Jahr bei uns lebt) arbeitet hauptsaechlich im Office, weil sie gerade als Sozialarbeiterin fertig studiert hat, unterstuetzt uns aber immer tatkraeftig bei Hausaufgabenbetreuung, Bastelaktionen, oder sonstigen aktivitaeten mit den Kindern.

Die anderen 3 Jungs, Jakob, Jonas und Freddie sind hauptsaechlich verantwortlich fuer die zahlreichen Reparaturen rund um Bap(kaputte Wasserkocher, Waschmaschinen, Fensterscheiben etc.) und den Food Container(Dieser beherbergt die Lebensmittel, Reinigungsmittel und Hygieneartikel)

Und ich bin verantwortlich fuer das Bonita(d.h. hauptsaechlich die Aidskranken Patienten in Kliniken bringen, ein wenig unterstuetzen bei organisatorischen Dingen, und natuerlich dem after care programme).

Des weiteren macht jeder von uns die anstehenden Krankenhausbesuche mit den Kids(im Schnitt ein bis zwei taeglich), d.h. jeder ist in der Regel mindestens einmal die Woche im Krankenhaus.

Zusaetzliche Aufgaben gibt es natuerlich auch noch genuegend: Montags und Mittwochs finden mittags eine Stunde lang Homeworkgroups statt, bei denen wir mit den Kindern, in verschiedenen Altersklassen, kreatives Lernen machen(ich betreue mit Allison und Jakob die Erstklaessler).

Des weiteren mache ich immer mit dem 11-jaehrigen Luvuyo Hausaufgaben (mein "Hausaufgabenjunge"). Ausserdem machen wir die verschiedenen Pick ups(Essensspenden) und Essenseinkaeufe(Ich mach alle Essens und sonstigen Einkaeufe fuer das Bonita und hole immer Mittwoch abend eine Essensspende von einem Supermarkt ab). Wenn es einem dann doch mal langweilig wird, dann freuen sich die Kinder wenn man mit ihnen Programm macht(sei es tanzen, singen, oder Sport).

so weit so gut, damit seid ihr wieder auf dem aktuellen Stand meiner Arbeitsaktivitaeten im Ausland...

 

x.o.x.o

 

Anil

 

 

 

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Fr

03

Okt

2008

Endlich Ferien...

Wenn ihr jetzt an einen braungebrannten Anil denkt, der irgendwo in der Sonne am Strand liegt und seinen Urlaub geniesst, dann liegt ihr nicht ganz richtig. Natuerlich habe nicht ich Ferien, sondern die Kids.

Diese Woche waren so eine Art Winterferien in Kapstadt und somit waren alle Kinder von der Vorschule bis zu den Schulabgaengern hier in Baphumelele. Da wir ganz normal Arbeiten mussten, aber trotzdem etwas besonderes mit den Kindern machen wollten sind wir folgenden Kompromiss eingegangen: Jeden mittag haben wir die Kinder zusammengetrommelt und unser Programm mit einem gemeinsamen Warm-up und singen beginnen lassen. Diejenigen von uns die Zeit hatten, haben dann das Programm weitergefuehrt. Das Programm dauerte immer zwischen 1 und 2 Stunden und jeder Tag stand unter einem bestimmten Motto. Montag war Spieletag und wir hatten sehr viel Spass beim Eierlauf(Die Kinder mussten mit einem Loeffel, auf dem ein Stein lag, um verschiedene Hindernisse laufen).  Dienstag stand Tanzen auf dem Programm und die Kinder haben uns mal so richtig gezeigt wie hier getanzt wird, naemlich absolut Filmreif! dazwischen macht dann mal noch einer von den aelteren Jungs einen Flick-Flack und einen Rueckwaertssalto auf blankem Steinboden und die Perfomance ist perfekt. Mittwoch ging es weiter mit malen und basteln, wobei einige Kinder am meisten Spass daran hatten das Papier zu zerschneiden und mit den Papierresten auf dem Boden zu spielen und Donnerstag fand dann zum Hoehepunkt ein Sporttag im nahegelegenen Sportstadium statt, bei dem wir mit den Kindern Fussball und Rennspiele gespielt haben.

Das klingt jetzt vielleicht alles irgendwie organisiert und ein wenig geplant, in Realitaet war es jedoch ein klein wenig chaotisch. Viel zu viele Kinder und viel zu wenige Betreuer...aber irgendwie hatten trotzdem jeden Tag alle unheimlich viel spass und wir haben dazu gelernt, dass hier nicht alles so geordnet laeuft wie in einem deutschen Ferienlager bzw dass nicht immer alles organisiert laufen muss, wenn man spass haben will.

Doch der eigentliche Hoehpunkt der Woche war heute, der Freitag. Die Caregiver(diejenigen die auf die Kinder aufpassen) und andere Mitarbeiter von Baphumelele hatten das Mittagsprogramm geplant. Alle Frauen hatten traditionell afrikanische Kleider und farbige Punkte im Gesicht. Das Programm bestand aus verschiedenen Gruppen und zwiscehn den Programmpunkten haben alle gesungen und getanzt. Die Frauen haben im Chor, mit ihren unheimlich lauten Stimmen, gesungen, was einfach fantastisch klang. Einige von den Teenagern hatten ein Theaterstueck vorbereitet. Leider konnte ich nicht viel verstehen, da es auf Xhosa war, jedoch haben alle sehr viel gelacht und man konnte den Kids ansehen wie viel spass sie am schauspielern hatten. Am Ende hielten sie Schilder hoch auf denen Sprueche wie "No crime!", "Don't abuse drugs" und "be responsible, together we can make it work" standen. 3 der Teenager trugen auch noch selbstgeschriebene Gedichte(auf Englisch) vor, welche gegen Gewalt in Suedafrika gingen und ueber ihre ganz persoenliche Geschichte. Die Tanzgruppe, welche haupsaechlich aus Teenage-Maedels besteht) hatte auch noch einen Auftritt und dann war das offizielle Programm zu Ende. Es war wirklich wunderschoen und man hat sich, obwohl man den Gesang auf Xhosa nicht wirklich verstanden hat, so zugehoerig und wohl gefuehlt. Die Menschen hier sind wirklich etwas besonderes...in nicht nur dieser Hinsicht. Denn nach dem Programm gab es auch noch Essen(fuer das wir umgerechnet 50cent zahlen mussten). Und was fuer Essen...Kuhmagen mit gestampften Kuerbissen und  einer reisaehnlichen Beilage. Ansich hatten wir uns sehr darauf gefreut die afrikanische Kueche naeher kennenzulernen, doch der Kuhmagen und sonstige Innerein die in der Sosse noch mitgeschwommen sind, waren zwar essbar aber nicht wirklich lecker. Da es hier absolut unhoeflich ist seinen Teller nicht aufzuessen, hatten einige einen harten Kampf zu kaempfen, schlussendlich waren aber glaube ich alle froh die Erfahren gemacht zu haben, da wir uns jetzt damit bruesten koennen, die Innerein von einer Kuh probiert zu haben...

 

x.o.x.o

Anil

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Mo

22

Sep

2008

Ein tragisches Schicksal

...Nie ist es langweilig hier in Baphumelele, denn es ist derzeit ein staendiges Kommen und Gehen, wobei eigentlich mehr Kinder kommen als gehen. Nach den aktuellsten Listen leben hier 164 Kinder. Eine ganz schoene Menge Arbeit wenn man bedenkt, dass die juengsten ein paar Monate alt sind und die Aelteste hier 18 Jahre geworden ist. Nicht nur die Kinder veraendern sich, sondern auch das gesamte Projekt ist langsam aber sicher dabei, sich Tag fuer Tag, weiterzuentwickeln: Es werden 2 neue Cluster-Homes (Haeuser fuer ungefaehr 12-15 Kinder + einen "Caregiver"= Aufpasser) gebaut, Ueberwachungskamaras werden installiert und auch die neue "Babyklappe" ist bald fertig. Sie soll es Polizisten in der Nacht ermoeglichen, Kinder, durch eine Art Babyschleuse, bei uns abzugeben(daher auch die Ueberwachungskamaras, damit gesehen werden kann, wer vor Ort ist und was abgegeben wird). Meine ersten Gedanken, als ich von dieser Babyschleuse hoerte, waren Gledverschwendung, doch wenn man bedenkt, dass alleine im letzten Monat ueber 10 Kinder (nachts) bei uns abgegeben wurden, ist es wohl langfristig eine sichere und lohnende Investition. 

Doch nicht die vielen Veraenderungen hier im Kinderheim sind der Grund warum ich nun schon fast 2 Wochen nicht mehr geschrieben habe, sondern viel mehr die Arbeit, die wir als Freiwillige erledigen. Unsere Aufgabengebiete sind sehr vielfaeltig und gehen von medizinischen Vorbereitungen fuer die Babys(hauptsaechlich Medizin fuer HIV+ Kinder und Antibiotika), aushilfslehren in einer Vorschule, Essenseinkaeufe und Abholung von Spenden ueber Hausaufgabenbetreuung, Fahrdienste aller Art(beispielsweise fuer das Baphumelele Respite Center, indem aidskranke Erwachsene leben) bis zu Reparaturen... Doch das wohl am anstrengenste sind die ganzen Krankenhausbesuche mit den Kindern. Normalerweise dauern die Krankenhausbesuche(abhaengig vom Grund des Besuchs) zwischen 3 und 10 Stunden und stehen ungefaehr 3-4 mal die Woche an. Doch letzte Woche war besonders stressig. Ich war Donnerstags knapp 14 Stunden lang im Red Cross Childrens Hospitel mit 2 verschiedenen Babys(mit dem einen vormittags von 6-11 Uhr, mit dem anderen von 13-22 Uhr, Ja, die Wartezeiten hier sind wahnsinnig!), denen es gluecklicherweise an nichts Ernstem fehlt. Zur gleichen Zeit war Freddie mit einem Baby dort(welches im Mai geboren wurde und nur 2 Tage bei uns war, und davor seit der Geburt im Krankenhaus), welches kurz vor dem Sterben durch Unterkuehlung war und sofort in die Notaufnahme kam. (Dem Baby geht es inzwischen wieder besser).

Doch leider waren nicht alle Krankenhausbesuche positiv...Kgomotso, die Zwillingsschwester von meinem kleinen Baby Kagiso(mit den beiden Zwillingen war ich in meiner ersten Woch hier 10 Stunden im Krankenhaus -> siehe frueherer Blogartikel) wurde nach 3 Tagen hohen Fiebers ins Krankenhaus gebracht. Die Diagnose: Meningitis(Hirnhautentzuendung). Die Aerzte meinten, dass es keine ganz schlimme Entzuendung sei und sie nur eine Woche im Krankenhaus bleiben muesste...Heute kam jedoch ein Anruf. Die Diagnose war falsch und Kgomotso hat eine schwere Hirnhautentzuendung. Es bestehen nur noch geringe Chancen fuer die 14 Monate alte, dass sie die Krankheit ueberlebt und wenn sie es ueberleben wird, dann nur mit Gehirnschaden. Die Frage hierbei ist, wie lange sie danach noch lebt, da sie HIV+ ist.

 

Genug fuer heute... Ich hoffe euch allen geht es gut und ihr seid gesund!

 

x.o.x.o.

Anil

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Mi

10

Sep

2008

The after care programme

Ein tolles Wochenende mit ueber 20 Grad am Samstag, die gerade dazu verlocken zu unserem Hausstrand(5 Minuten mit dem Auto entfernt) zu fahren und im Sand weiter zu schlafen, nachdem man sich muehevoll um 9 Uhr aus dem Bett gequaelt hat. Danach auf dem Markt im Nachbartownship spazieren gehen und den Abend in Cape Town auf der Longstreet geniessen. Ein darauf folgender Sonntag den man, nach einem ausfuehrlichen Fruehstueck(eigentlich war es eher ein Brunch) dazu verwendet Kapstadt(und vorallem die Shopping Mall an der Waterfront) besser kennenzulernen und dann...

Ein typischer Montag, nach einem schoenen Wochenende, an dem der Wecker um 7 Uhr klingelt aber man einfach nicht aus dem Bett will und sich fragt warum das Wochenende denn schon wieder nur so kurz war... In BaWue war Montag der erste Schultag nach den Sommerferien und fuer mich war es der erste Schultag in der Grade R, der Vorschule auf der anderen Strassenseite von Baphumelele. Jede Woche wird ein neues Thema behandelt, wobei dieses hauptsaechlich gebastelt und gemalt wird. Diese Woche ist das Thema "Out of space" und ich musste, bevor ich mit den Kindern Sterne gebastelt und aufgehaengt habe, ein Tafelbild mit Raumschiffen und Satelliten zeichnen.

Nach der Grade R hab ich mit Veronika zusammen angefangen die Library von Baphumelele "einzuweihen"(welche recht neu ist und bisher noch nicht so viel gebraucht) und den Kindern, die nicht zur Schule gehen weil sie entweder neu  sind oder nur Uebergangsweise hier, englische Geschichten vorzulesen(auch wenn nicht viel verstehen). Dennoch halte ich es fuer wichtig, insbesondere weil sie nicht zur Schule gehen, mit ihnen Englisch zu ueben und so wird die Library von nun an taeglich morgens 2 Stunden(von 2 Volounteers) geoeffnet.

Gegen Mittag standen dann nur noch ein paar Fahrdienste an, bis es zur interessantesten Aufgabe des Tages kam. Eine der Patientinnen vom Bonita(dem Erholungscenter fuer Aidskranke) wurde vergangene Woche entlassen und somit war es Zeit fuer das so genannte "after care programme". Dieses Programm ist fuer alle Patienten die aus dem Bonitahaus entlassen werden. Wir inspizieren ihre Shacks(so werden die Wellblechheutten hier genannt), zusammen mit Bukosi(der im Office arbeitet) und schauen was dort fehlt bzw. kaputt ist, damit die Patienten auch nachhaltig in vertretbaren Bedingungen leben koennen. Die Patientin beispielsweise lebt mit ihren 2 Kindern in einer Shack die kaum 20 Quadratmeter gross ist, aus einem Doppeltbett(indem sie zu dritt schlafen), einem alten Schrank fuer die Kleidung, und einer Komode in der sich Essen und Besteck befindet, besteht. Strom hat sie derzeit nicht. die Toilette befindet sich hinter dem Haus. Der Rahmen des einen Fensters ist kaputt, sodass es in die Wohnung zieht(Nachts wird es hier derzeit so um die 5 Grad), kleine Loecher sind ueberall im Dach, welches ebenfalls aus Wellblech besteht und auch die Tuer ist reparaturbeduerftig. Die Kinder gehen beide zur Schule. Arbeiten und Geld verdienen konnte sie seit mehreren Monaten, aufgrund von ihrer Krankheit, nicht mehr und so waren wir froh, dass wir ihre einige Essensspenden fuer die Anfangszeit mitbringen konnten.(Die Kinder konnten gluecklicherweise bei der Tante wohnen, in der Zeit in der die Patientin in Behandlung war).

Bereits letzte Woche hatten Jonas und ich den Rahmen des Fensters repariert und nun ging es daran das Dach Wasser- und Windfest zu machen. Es regnete in Stroemen als wir eine neue Plane am Strassenrand um die Ecke kauften und nachdem wir ein bisschen Werkzeug zusammengepackt hatten ging ich mich Jakob, Veronika und Johanna los. Gluecklicherweise war die Shack nur ca. 3 Minuten mit dem Auto entfernt und es hatte aufgehoert zu regnen als wir ankamen.

Es ist ein schmaler, matschiger Weg voller Pfuetzen den wir nehmen muessen um in die Gegend zu kommen wo sich die Shack befindet. Ueberall liegen Muellreste, und ein grosses Gelaende mit einem verrosteten Kinderspielplatz und einem versumpften Fussballfeld befindet sich in mitten von Shacks. Die Menschen denen wir begegnen sind sehr freundlich, wenn auch verstaendlicherweise verwundert und die Kinder hoeren auf zu spielen und starren uns an, da Weisse in einem Schwarzentownship nicht haeufig vorkommen...So sieht die Realitaet hier fuer manche aus. Es ist ein sehr krasser Kontrast wenn ich an mein Wochenende denke, an dem ich es mir in Kapstadt hab gut gehen lassen, und auch das Leben hier in Baphumelele(wo die Kinder nicht nur regelmaessig Essen und ein festes Dach ueber dem Kopf haben, sondern auch noch Luxusgueter wie die Buecherrei von der ich bereits am Anfang erzaehlt habe) laesst sich nicht vergleichen mit dem, was einige der Kinder in Khayelitsha(die ja auch ganz normal zur Schule gehen) durchmachen. Leider konnten wir die Plane gestern nur provisorisch befestigen, also sind Jakob, Jonas und ich heute nochmals hingegangen um diese festzuschrauben, da das Wetter derzeit fuerchterlich windig und regnerisch ist. Die Frau war unheimlich dankbar und obwohl sie nur im Bett lag und man ihr ansah, dass es ihr nicht gut ging, laechelte sie uns an und bedankte sich. Sie bat uns nur noch um eins. Sie hat nichts zum Kochen und keine Heizung, und Simpiwhe hatte vorgeschlagen ihr eine Art Campingkocher mit Heizung zu kaufen(welche hier wohl sehr haeufig verwendet werden). Also werden wir ihr morgen den Kocher kaufen und sehen wie es weiter geht.

Da das Bonita fuer jeden Patienten nur ein gewisses Budget hat und dieses fuer die Patientin bereits aufgebraucht ist, bin ich sehr froh, dass einer meiner Spender den Kauf dieses Kochers ermoeglicht. Vielen Dank!!!

 

x.o.x.o.

Anil

 

P.S.: Da ich fuer das after care programme Bilder machen musste werdet ihr hoffentlich bald diese auch zu sehen bekommen um eine genauere Vorstellung zu bekommen.

 

 

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Do

28

Aug

2008

How to drive in South Africa...

Es gibt viele Dinge hier in Suedafrika an die man sich zunaechst gewoehnen muss, unter anderem das Auto fahren. Als ich aus Deutschland weggeflogen bin, waren meine groessten Sorgen in Bezug auf das Autofahren der Linksverkehr und meine weiblichen Gene in Sachen Orientierung. Wie sich, nach nun knapp 3 Wochen herausstellt, ist der Linksverkehr kein Problem und auch meine Orientierung funktioniert trotz einem Haufen weiblicher Gene wunderbar(z.B.: hab ich bei einem Notfall letzten Freitag abend im Dunkeln und ohne Karte zwei Krankenhaeuser, die ungefaehr 30km von Khayelitsha entfernt waren, gefunden, ohne mich auch nur ein einziges mal zu verfahren!). ja, sowas macht einen Menschen wie mich echt gluecklich...wenn auch nur fuer wenige Sekunden. Denn in Suedafrika kaempft man mit ganz anderen Problemen auf der Strasse:

 

Die etwas groesseren Strassen sind in einem recht schlechten Zustand, d.h. alle 50 Meter findet man ziemlich dicke Schlagloecher. Zwar gibt es auf der Autobahn keine Schlagloecher, dafuer aber eine Menge von Baustellen(aufgrund von der bevorstehenden WM 2010). Die Beleuchtung bei Nacht haelt sich ebenfalls sehr in Grenzen.

 

Die anderen Autos(60% des Verkehrs besteht aus Minibustaxis, Kleinbusse die einfach am Strassenrand Leute aufsammeln und irgendwo hinfahren, wohin sie wollen) fahren, als ob es keine Verkehrsregeln gibt. Blinken ist Luxus, die Spiegel benuetzen ueberfluessig und an Ruecksicht auf andere ist erst gar nicht zu denken. Es wird sowohl neben als auch auf der Fahrbahn angehalten wenn Fahrgaeste zu- oder aussteigen muessen, ueberholt wird von links und rechts, Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten sowieso immer nur fuer die anderen und umso oefter man hupt desto besser fuegt man sich hier ein.

 

Tiere auf der Strasse sind etwas voellig normales, sowohl tot als auch lebendig. Oft laufen hier straeunende Hunde, Kuehe oder Schaafe ueber die Strassen im Township. Tote Tiere(meistens Hunde oder noch kleinere Tiere liegen wochenlang auf der Strasse rum, bis zum 300sten mal jemand drueber faehrt).

 

Die Leute hier(und damit meine ich wirklich alle, also sowohl Erstklaessler wie auch alte Omas) laufen bzw. rennen, zwischen den Autos, ueber die Strassen wie es ihnen passt, als ob es keineswegs gefaehrlich waere. Selbst ueber die 3-spurigen Autobahnen rennen Leute um von der einen Seite auf die anderen zu kommen. Daher ist die Anzahl an Todesfaellen durch Verkehrsunfaelle ist hier extrem hoch, auch schon bei Schulkindern. Oft muss man als Autofahrer sehr starker Nerven haben und vor allem bei Nacht mit 200% Konzentration fahren.

 

Die Sahnehaube des Ganzen ist unser Dienstwagen: Ein alter Fiat Uno der kurz vorm Abnippeln steht. Seit meiner Ankunft in Baphumelele wurde aber die Anschaffung 2 neuer Autos versprochen, d.h. vielleicht haben wir bis Weihnachten die Chance auf neue Autos die dann einigermasen funktionieren.

Vielleicht sollte an diesere Stelle noch erwaehnt werden, das ein Auto in Suedafrika nicht benutzt wird wie ein Auto in Gerlingen oder Deutschland. Nein, ein Auto ist hier ueberlebenswichtig und wir fahren absolut immer und ueberall mit dem Auto hin, weil es gar nicht anders geht. (Die Leute die schon einmal in Amerika waren wissen wie das ist).

Als Beispiel: Ich bin heute insgesamt ueber 150km mit dem Auto gefahren.(Natuerlich nicht am Stueck und auf der Autobahn, sondern zu ca.20 verschiedenen Standpunkten im Stadtverkehr).

 

So viel mal zum Thema Verkehr in und um Khayelitsha...

 

x.o.x.o.

Anil

 

 

 

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Do

21

Aug

2008

Ein ganz normaler, stressiger Tag...

Ich wuerde euch gerne erzaehlen, wie ein normaler Tag in meinem Leben hier aussieht, doch solche gibt es nicht. Nur Kleinigkeiten, wie z.B. Siya (einen kleinen Jungen der behindert ist) zur Schule bringen und wieder abholen, sind fester Bestandteil unseres Tagesablaufes. Ansonsten tun wir das, was gerade ansteht. Am meisten Zeit verbringen wir wohl mit den Kindern und Babys in Krankenhaeusern, bei Arztterminen oder in Kliniken fuer HIV und TB. Im Schnitt stehen 3 so genannte „Appointments“ (Arzttermine) taeglich an. Zudem kommt, dass wir Montags und Donnerstags die gesamte Medizin der Kinder fuer die naechsten Tage vorbereiten, Essen fuer ca. 130 Kinder kaufen und Spenden abholen, Kleinigkeiten reparieren muessen, Hausaufgaben mit einigen Kindern machen usw... Um einen kleinen Eindruck zu bekommen moechte ich euch von gestern (einem recht stressigen Tag) erzaehlen.

Der Wecker klingelt um 5 Uhr morgens und es bleiben eine halbe Stunde Zeit zum fertig machen, 2 Marmeladentoast essen und den Anhaenger + Auto fertig machen, denn einmal in der Woche kaufen wir auf dem Grossmarkt Fruechte und Gemuese ein. Da wir derzeit mit dem alten Fiat Uno fahren muessen (der seit ich hier bin ungefaehr die Haelfte der Zeit kaputt war), hatten Jakob und ich ein wenig Angst auf der Autobahn liegen zu bleiben, sind aber dann nach einer guten halben Stunde (ohne Panne) am Ziel angekommen um unsere Ellenlange Einkaufsliste zu erledigen. Als wir gegen 9 Uhr wieder in Baphumelele waren und gerade mit dem Auspacken beschaeftigt waren  wurde ich schon von einer Krankenschwester aus dem gegenueberliegenden Bonitahaus (eine Erholungsklinik fuer Aidskranke Erwachsene, welche aber ebenfalls zu Baphumelele gehoert) gerufen, um drei Patienten + Krankenschwestern zu unteschiedlichen Kliniken zu fahren. 1 ½ Stunden spaeter und drei Patienten + Krankenschwestern leichter, bin ich dann zu einer Art Baumarkt  um zwei neue Fensterscheiben zu bestellen, wobei ich einen Anruf erhielt, dass einer der Patienten(den ich als erster abgeliefert hatte) schon fertig sei und darauf wartet abgeholt zu werden. Also wieder ins Auto... und los. Nachdem der Patient dann wieder im Bonitahaus war, kam Jainey(eine sehr korpulente Amerikanerin, die alle halbe Jahr fuer ein paar Wochen in Baphumelele ist) ganz aufgebracht zu mir und bat mich sie schnell zum Airport zu fahren, da sie an diesem Tag abreisen musste. Kaum vom Flughafen wieder da, musste der Patient, in der am weitest entfernten Klinik, wieder geholt werden. (Es war bereits Mittagszeit und so langsam baute sich, nach meinen zwei Toast um 5.15 Uhr, Hunger auf) Eine Stunde spaeter: Patient wieder in Bonita, Zeit zu Essen... oder auch nicht. Ich hatte leider nur Zeit fuer zwei weitere Toasts um dann mit dem „Manager“ von Bonita (einem jungen Suedafrikaner mit langen Rastas) zum Supermarkt zu fahren um Einkaeufe zu erledigen. Einkauft erledigt...Was steht nun an? Achja, die Fensterscheiben muessen ja noch geholt werden, da ich vorher ja den Patienten holen musste...Gegen 17 Uhr war ich dann wieder in der Wohnung und freute mich schon darauf was zu essen, doch ploetlich klopfte jemand an der Tuer ... Ein Kind hatte eine Schnittwunde am Fuss (d.h. Traenen wegwischen, troesten und hinsetzen, Einweghandschuhe an, Wunde waschen und desinfizieren, Pflaster drauf, Handschuhe aus und fertig). Endlich etwas essen...Danach bin ich erstmal wieder rausgegangen und hab mit den Kids gespielt (da ich nach der ganzen Fahrerei Bewegung gebraucht habe). Kaum 5 Minuten draussen rennt der 5 jaehrige Thembani auf mich zu, stolpert und faellt direkt aufs Gesicht. Autsch! (In mir hat sich Innerlich alles zusammgezogen und ich hatte schon Bilder von Krankenhaus im Kopf). Lautes Geschrei und Heulen, 20 Kinder die sich um ihn versammelten und fragten was los ist...Gluecklicherweise hatten sich meine Krankenhausalbtraeume nicht erfuellt und der Junge blutete nur ein wenig am Zahnfleisch. Also wieder Handschuhe an, untersuchen ob noch alle Zaehne fest sind, Wattebaellchen mit Wasser unter die Lippe stopfen, Handschuhe aus und schon war der Junge wieder in Ordnung(obwohl er noch eine ganze Weile nur lief und nicht rannte). Doch heute ist er wieder fit, auch wenn  ich nach diesem Sturz (der echt furchtbar schlimm aussah) Angst hatte. Wo war ich stehen geblieben? Achja, ich wollte mit den Kids spielen...Naja, daraus wurde dann eher nicht so viel, da ich ins Babyhaus gegangen bin um mit Kagiso ein wenig Phsio zu machen( Kgomotso war krank und hatte deshalb Trainingspause). Gegen 19 Uhr war dann gemeinsames Essen und Besprechung fuer den naechsten Tag angesagt, oder vielleicht doch nicht? Natuerlich durfte es nicht ganz nach Plan laufen, also kam Luvuyo(ein eigentlich intelligenter, aber unheimlich fauler Junge) zu mir zum Hausaufgaben machen und das Essen musste noch eine Stunde auf sich warten lassen. 20 Uhr und endlich Pause ...Oh nein! Der Mittwoch Abend Pick-up steht noch an(bei dem wir Essenspenden von einem Supermarkt bekommen), also hab ich schnell Spaghetti gegessen und bin wieder mit Jakob, dem alten Fait Uno, dem Anhaenger und einer Menge Motivation, dass das Auto die Fahrt ueberlebt, los um den Pick- up zu machen. Gegen 22 Uhr war dann wirklich Schluss mit Arbeiten und wir haben unserer Wohnung entspannt. Eine Stunde spaeter wurde dann noch ein neues Baby abgegeben( Derzeit kommen sehr viele neue Kinder und einige gehen auch wieder, dazu muss ich aber extra noch einmal etwas schreiben, da das sehr lange braucht...) Kurz vor 0 Uhr, nach 19 Stunden auf den Beinen...Schlafenszeit, denn heute war wieder Arbeiten angesagt, natuerlich nicht derselbe Ablauf, denn jeder Tag ist unterschiedlich...

 

 

x.o.x.o.

Anil

 

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Sa

16

Aug

2008

10 Stunden mit 2 Ladys

Nach nur 6 vergangenen Tagen hier koennte ich schon Seiten schreiben ueber das, was ich hier erlebe, sehe und fuehle. Aber ich habe mir gedacht es ist vielleicht interessanter euch eine kleine Geschichte zu erzaehlen.

Unsere Arbeit hier ist sehr vielfaeltig: von Hausaufgabenbetreuung und Vorbereitung der Medizin fuer die Kinder bis zu Reparaturen rund ums Kinderheim und Fahrdienste zu allenmoeglichen Krankenhaeusern und Kliniken.

Gestern war ich mit Kagiso und Kgomotso(Babyzwillinge geboren am 07.07.2007-beides Maedchen) im Red Cross Hospital in Kapstadt(eines der groessten Kinderkrankenhaeuser hier) bei einem Kontrolltermin. Beide sind HIV positiv und bekommen unheimlich viel Medizin. Zudem kommt, dass sie weder Krabbeln noch Laufen koennen und Johanna und Ich deshalb jeden Tag mit ihnen Physio machen, damit sie das moeglichst schnell lernen.

Unser Termin war um 8 Uhr (die Aerzte kommen immer erst um 9) aber wir sind bereits um 6 Uhr losgefahren um nicht in den Berufsverkehr zu kommen-d.h. kurz nach 5 aufstehen. Dann bin ich zusammen mit Johanna und den zwei suessen babys ins Red Cross gefahren um dort erstmal 2 1|2 Stunden auf den Arzt zu warten. Als wir dann beim Arzt angelangt waren mussten wir feststellen, dass die Caretaker(die Ersatzmamas die fuer die Kinder sorgen) die Zwillinge verwaechselt hatten und uns die Namen falsch gesagt hatten(die Zwillinge sind erst seit knapp einem Monat im Kinderheim). Danach ging das Warten weiter-Medizin geben, Babys ausziehen, wiegen, messen, bei Geschrei wieder anziehen, Windeln wechseln, Flaeschchen geben, rumtragen(aufgrund von noch mehr Geschrei), Treppen rauf, Treppen runter- von einem Arzt zum naechsten,Spielen und Lachen mit den Babys und Blut abnehmen(am Hals-bei fuerchterlichem Geschrei). Gegen 12 Uhr Mittag waren wir dann fertig und mussten "nur" noch zur Pharmacy(die Speziell Medizin im Krankenhaus ausgibt). Im Endeffekt warteten wir dort dann ueber 3 Stunden auf 2 Kisten voller Medizin(nur fuer die beiden Babys). Da wir uns schon auf ein wenig Wartezeit eingestellt hatten, haben wir unsere mitgebrachten Babydecken auf dem Boden im Gang ausgebreitet uns mit den Kindern hingesetzt, mit ihnen gespielt, ein wenig physio gemacht und sie schlafen lassen. In dieser Zeit wurden wir von so ziemlich dem ganzen Krankenhaus angesprochen(Mitarbeiter, Mamas, Kinder...). Warum? Naja die Mischung von Johanna(einer Blonden Weissen), mir (einem couloured) und 2 schwarzen Babys war dann doch ein wenig komisch... Einer wollte sogar die Babys adoptieren, eine aeltere Dame wollte fuer das Kinderheim spenden nachdem sie erfahren hatte das wir nicht die richtigen Eltern sind und wiederrum jemand anders fragte mich wo meine Frau sei, als ich mit den Babys alleine wartete weil Johanna gerade noch etwas mit dem Arzt klaeren musste. Irgendwann nach knapp 10 Stunden im Krankenhaus bin ich dann mit den Babys heimgefahren,weil sie nur morgens ein Flaeschchen bekommen hatten und sie dringend Nahrung zu sich nehmen mussten, waehrend Johanna noch ca. 1 Stunde im Krankenhaus auf die Medizin warten musste und dann nachkam.

Ja...das war ein Erlebnis. Es war zwar total anstrengend aber ein super Gefuehl fuer die Kinder verantwortlich zu sein und fuer sie zu sorgen... und ausserdem haben die 2 Ladys (Kagiso und Kgomotso) in nur 10 Stunden mein Herz erobert. 

Jetzt wird jeden Tag fleissig physio gemacht damit meine kleinen Maedels bald laufen koennen;)...

Gestern Abend sind wir dann noch nach Kapstadt gefahren um hier auf der Longstreet(eine lange Strasse mit unheimlich vielen Bars und Clubs) ein wenig zu feiern- super coole Leute und total international hier.

Jetzt gerade sitze ich im Internetcafe auf der Longstreet und habe nur noch 9 Minuten bis das Internet ausgeht, d.h. it's time to end this story...

 

x.o.x.o

anil

1 Kommentare

So

10

Aug

2008

In einer neuen Welt

Ja, mir geht es gut! sehr gut! nach einem ein wenig abenteuerlichen Flug mit Tuerkisch Airlines ueber Istanbul und Johannesburg nach Kapstadt bin ich heute Mittag hier im Baphumelele Children's Home gesund und munter angekommen. Die 4 Freiwilligen die bisher hier sind(Freddie, Johanna, Marie und Jakob) haben mich in Kapstadt am Flughafen abgeholt und mir heute schon alles ein wenig gezeigt und erklaert was die naechsten tage so ansteht. Besuch bei der Botschaft, Krankenhaustermine, hausmeisterliche Taetigkeiten, Essensspenden abholen und jede Menge Freizeitbeschaeftigung fuer die ueber hundert Kinder im Alter von 0 bis 18. Ja, selbst ganz frisch geborene Kinder gibt es hier(die unheimlich suess sind) aber wir haben auch jede menge von neugierigen kleinkindern, lauten jungs und maedels, nervenden pubaertierenden und und und...

allein schon auf der 15minuetigen fahrt vom flughafen zur dienststelle hab ich tausende eindruecke gesammelt...100e meter von wellblechhuetten direkt an der strasse, Maenner und Frauen die auf der strasse und am strassenrand stehen und dinge verkaufen wollen, kindern die mit muell spielen und aehnliches.

Morgen ist dann mein erster offizieller Arbeitstag an dem ich auch Mama Rosie(die Gruenderin des Kinderheims und meine Vorgesetzte) kennenlerne und dann gehts hier vermutlich gleich los mit einem sicherlich harten aber auch spassigem Arbeitsleben...

 

Das war's fuers erste.

 

x.o.xo.

anil

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Di

05

Aug

2008

So langsam wird's ernst

Ja...nur noch 4 Tage bis ich für 1 Jahr nach Südafrika fliege. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren(derzeit bin ich am überlegen wie ich am sinnvollsten meine 30kg Gepäck ausnütze) und seit heute ist nun auch meine Homepage online.

Mit diesem Blog will ich euch berichten wie es mir geht, was ich in Kapstadt erlebe und wie ich mich dabei fühle.

Unter den Artikeln habt ihr die Möglichkeit Kommentare zu schreiben.

Die Artikel werden chronologisch geordnet und im obenstehenden Menü  in monatlichen Kategorien aufgeführt.

 

Viel Spaß damit!

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